Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 223
DOI: 10.1055/s-0038-1671432
Poster
Freitag, 02.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin II
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Teratogenes Potential einer akzidentellen Rötelnimpfung im I. Trimenon

W Paulus
1  Universitätsfrauenklinik Ulm, Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie, Ulm, Deutschland
,
U Friebe-Hoffmann
2  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
,
K Lato
2  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
,
W Janni
2  Universitätsfrauenklinik Ulm, Ulm, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Bei einer Rötelnvirusinfektion im I. Trimenon sind multiple Defekte beschrieben, die vor allem Hörstörungen, Sehschäden und eine geistige Retardierung umfassen. Je nach Gestationsalter liegen die Angaben für kindliche Schädigungen zwischen 20% und 56%. Da es sich beim Rötelnimpfstoff um abgeschwächte Lebendviren handelt, wurde aus Sorge vor ähnlichen Defekten ein Intervall von zunächst drei Monaten, inzwischen nur mehr einem Monat zwischen Impfung und Konzeption empfohlen. Von einer Impfung im I. Trimenon wird nach wie vor abgeraten.

Materialien:

Im Rahmen einer prospektiven Follow-up-Studie wurden von unserem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum zwischen 1990 und 2017 129 Schwangerschaftsausgänge nach Rötelnimpfung in Unkenntnis der eingetretenen Schwangerschaft während des I. Trimenons dokumentiert.

Methoden:

Die Befunde wurden unter Einsatz des Fisher's Exact Tests mit den Daten eines unbelasteten Kontrollkollektives (n = 933) aus demselben Zeitraum auf Abort- und Fehlbildungsraten verglichen.

Ergebnisse:

Die Rate an Schwangerschaftsabbrüchen aus psychosozialer Indikation verhielt sich in beiden Gruppen ähnlich (4/129 = 3,1% vs. 23/933 = 2,5%). Im verbleibenden Kollektiv trat bei sechs Schwangeren (4,8%) ein Spontanabort im I. Trimenon auf, was unterhalb der Inzidenz des Kontrollkollektivs lag (93/910 = 10,2%). Unter den 119 ausgetragenen Schwangerschaften ergaben sich fünf Anomalien ohne homogenes Fehlbildungsmuster: Trisomie 21 (n = 2), Duodenalstenose, Skoliose, Reduktionsdefekt der oberen Extremität. Die Rate kongenitaler Anomalien (5/129 = 4,2%) entsprach dem Niveau im Kontrollkollektiv (35/817 = 4,3%; relatives Risiko 0,98; 95%-Konfidenzintervall 0,34 – 2,53).

Zusammenfassung:

Hinweise auf ein erhöhtes Abort- oder Fehlbildungsrisiko nach akzidenteller Rötelnimpfung in der Frühschwangerschaft sind bislang nicht erkennbar. Angesichts der Erfahrungen mit dem Wildtyp sollte jedoch weiterhin eine Rötelnimpfung im I. Trimenon unterbleiben.