Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 238
DOI: 10.1055/s-0038-1671480
Poster
Freitag, 02.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin VIII
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Geburtshindernis durch größenprogredienten seltenen Zervixtumor

S Gitsham
1  Sana Klinikum Lichtenberg, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Berlin, Deutschland
,
T Fink
1  Sana Klinikum Lichtenberg, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Berlin, Deutschland
,
M Rösch
1  Sana Klinikum Lichtenberg, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Berlin, Deutschland
,
JP Scharf
1  Sana Klinikum Lichtenberg, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Berlin, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Einleitung:

Der aussergewöhnliche Fall beschreibt einen seltenen Zervixtumor, der als Leiomyom gedeutet, verlaufskontrolliert, und durch seine Größenzunahme zum Geburthindernis wurde.

Patient:

37-jährige III. Gravida II. Para, Z.n. vaginaler Myomenukleation bei einem zervikalen Leiomyom. Präkonzeptionell stellte sich im transvaginalen Ultraschall eine 2 cm große Raumforderung im Bereich der hinteren Muttermundslippe dar. Aufgrund des Verdachts eines Leiomyoms wurde die Verlaufskontrolle empfohlen. In der 37+0 SSW stellte sich die Patientin mit vor die Vulva prolabierten 7 cm großen soliden Tumor vor. Nach ausführlichem Gespräch über den Versuch der vaginalen Entbindung versus Sectio entschieden wir uns bei Z.n. Sectio für den erneuten Kaiserschnitt.

Ergebnis:

Nach unauffälliger Sektio konnte der Tumor vaginal unter Erhalt der hinteren Muttermundslippe exzidiert werden. Histologisch handelte es sich bei immunhistochemischen Nachweis von CD 10, PR und ER um einen benignen Stromaknoten. Ein Low-grade-Stromasarkom konnte aufgrund der fehlenden Beurteilung der Infiltration nicht ausgeschlossen werden.

Diskussion:

Stromatumore werden nach der WHO in benigne Stromaknoten, Low-grade-Stromasarkome, High-grade-Stromasarkome und undifferenzierte Sarkome des Uterus unterteilt. Wie in unserem Fall wird prä- und intraoperativ meist von einem Myom ausgegangen. Auch in der histologischen Beurteilung zeigen sich Verwechselungen mit Polypen und zellreichen Leiomyomen. Die Diagnose wird durch den Pathologen in Zusammenschau von Histologie und Immunhistochemie gestellt und das endometriale Stromasarkom stellt die wichtigste Differentialdiagnose dar. Die Beurteilung der Infiltration als Unterscheidungskriterium ist nur am Hysterektomiepräparat sicher möglich. Die Hysterektomie gilt aktuell als Goldstandard und wurde o.g Patientin bei abgeschlossener Familienplanung empfohlen. Die Entfernung des Tumors präkonzetionell hätte zumindest die Sectio durch das Geburthindernis des gewachsenen Tumors verhindert.