Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 238
DOI: 10.1055/s-0038-1671481
Poster
Freitag, 02.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin VIII
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Eine Frage des Timings: Retrospektive 10-Jahres-Analyse zur RDS-Prophylaxe bei Frühgeburten vor 34+0 SSW

V Boßung
1  Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Lübeck, Deutschland
,
A Rody
1  Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Lübeck, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Bei Frühgeburten vor 34+0 SSW wird das neonatale Outcome durch eine RDS-Prophylaxe mit plazentagängigen Glukokortikoiden signifikant verbessert. Das optimale Intervall zwischen RDS-Prophylaxe und Frühgeburt beträgt mindestens 24 Stunden und maximal 7 Tage nach der zweiten Dosis. In dieser retrospektiven Analyse soll die Effektivität des Timing der RDS-Prophylaxe bei Frühgeburten betrachtet werden.

Materialien und Methoden:

Wir führten für einen 10-Jahres-Zeitraum von 1/2008 bis 12/2017 eine retrospektive Datenanalyse aller Lebendgeburten zwischen 24+0 und 33+6 SSW am UKSH Campus Lübeck durch (universitäres Perinatalzentrum Level I). Betrachtet wurde der Abstand zwischen letzter Lungenreifebehandlung und Geburt. Dieses Intervall wurde in 5 Gruppen unterteilt: keine RDS, inkomplette RDS (nur 1 Dosis), optimal: 0 – 7 Tage, suboptimal: 8 – 14 Tage, ineffektiv: > 14 Tage. Ferner wurde die Indikation zur RDS-Prophylaxe erhoben und bei fehlender RDS-Prophylaxe zusätzlich die Entbindungsindikation.

Ergebnisse:

Im Beobachtungszeitraum fanden n = 843 Lebendgeburten zwischen 34+0 und 33+6 SSW statt. Bei 752/843 Frühgeburten konnte eine RDS-Prophylaxe durchgeführt werden (89,2%). Diese teilten sich wie folgt in folgende Gruppen auf: inkomplett 131/843 (15,5%), optimal 321/843 (38,1%), suboptimal 71/843 (8,4%), ineffektiv 229/843 (27,2%). Eine Auswertung erfolgte zusätzlich nach Indikationen zur RDS-Prophylaxe.

Zusammenfassung:

Die Einschätzung des Frühgeburtsrisikos stellt in der klinischen Routine häufig eine Herausforderung dar. In unserer Analyse erfolgte die RDS-Prophylaxe nur bei 38,1% aller Frühgeburten im optimalen Zeitfenster, obwohl 89,2% eine Lungenreifebehandlung erhielten. Weitere Studien sowie qualitätsfördernde Maßnahmen zur Verbesserung des Timings der Lungenreifebehandlung bei drohender Frühgeburt in den verschiedenen Indikationsbereichen sind dringend notwendig, um das neonatale Outcome zu verbessern und unnötige Interventionen zu vermeiden.