Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 258
DOI: 10.1055/s-0038-1671545
Poster
Freitag, 02.11.2018
Case-Report II
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Konservatives geburtsmedizinisches Management einer TRAP-Sequenz

L Pasura
1  Charité Universitätsmedizin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
I Vitezica
1  Charité Universitätsmedizin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
EM Spur
1  Charité Universitätsmedizin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
CR Weiß
1  Charité Universitätsmedizin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
T Braun
1  Charité Universitätsmedizin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
W Henrich
1  Charité Universitätsmedizin, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Einführung:

Fallbericht einer Patientin mit TRAP-Sequenz (twin reversed arterial perfusion) bei monochorialer-diamnialer Geminigravidität nach ICSI mit Polyhydramnion und Frühgeburt in Folge eines vorzeitigen Blasensprungs und Wehen in der 30. Schwangerschaftswoche.

Fallbeschreibung:

Eine 35-jährige I para wurde in der 24. Schwangerschaftswoche mit TRAP-Sequenz überwiesen. Sonographisch zeigte sich eine monochoriale-diamniale Zwillingsschwangerschaft mit einem eutrophen, morphologisch unauffälligen Pumpzwilling und einem reich perfundierten Acranius acardius mit generalisiertem Hautödem und zystischen Anteilen. Die fetalen Doppler und die fetale Echokardiografie des Donors waren unauffällig. Es erfolgte die Aufnahme zur Lungenreifeinduktion und engmaschigen Kontrolle zur Früherkennung einer kardialen Dekompensation des Pumpzwillings. Bei wiederholt zunehmendem Polyhydramnion wurden im Verlauf zwei Amniondrainagen (1700 ml und 1200 ml) durchgeführt. In 29+1 SSW kam es zum vorzeitigen Blasensprung und Wehen, sodass die sekundäre Sectio durchgeführt wurde. Es wurde ein lebensfrisches Mädchen geboren (Gewicht 990 g (4. Perzentile), Apgar 7/8/9, pH 7,26, BE -3,2). Die Entwicklung des Acranius arcadius war erschwert, und gelang unter Zuhilfenahme einer Vakuumglocke, 1810 g. Der parasitäre Zwilling wies rudimentäre untere Extremitäten, Beckenknochen und Anteile der Wirbelsäule auf. Kephale Strukturen fehlten vollständig.

Diskussion:

Auch wenn die Empfehlungen der Literatur auf die Vorteile eine frühzeitigen intrauterinen Laserkoagulation hindeuten, zeigt unser Fall, dass in einer erst später in der Schwangerschaft festgestellten TRAP-Sequenz ein konservatives Management nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung gerechtfertigt sein kann. Auf die Größe des parasitären Zwillings muss bei der Entbindung per Sectio geachtet werden, da sich das ödematöse Gewebe nicht komprimieren lässt. Dies muss eventuell bei der Schnittführung berücksichtigt werden.