Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 264-265
DOI: 10.1055/s-0038-1671565
Poster
Freitag, 02.11.2018
Case-Report IV
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fallbericht eines Sheehan-Syndroms

C Selgrad
1  Universität Regensburg, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Regensburg, Deutschland
,
M Kandulski
2  Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Regensburg, Deutschland
,
M Selgrad
2  Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Regensburg, Deutschland
,
M Müller-Schilling
2  Universitätsklinikum Regensburg, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, Regensburg, Deutschland
,
O Ortmann
1  Universität Regensburg, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Regensburg, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Einleitung:

Das Sheehan Syndrom ist eine seltene schwere Komplikation postpartaler Blutungen. Aufgrund einer Vergrößerung in der Schwangerschaft kann es im Falle eines hypovolämischen Schocks zur Infarktbildung der Hypophyse kommen. Dies kann die Sekretion von einem oder mehreren Hormonen der Hypophyse hemmen. Häufig fällt dies durch eine Kombination durch zunächst ausbleibende Lactation und spätere Amenorrhoe auf. Es können aber auch alle weiteren Formen eines Hypopituitarismus unmittelbar postpartal bis Jahre später auftreten.

Vorgeschichte:

Eine 38-jährige Patientin wurde konsiliarisch von den Kollegen der internistischen Intensivstation vorgestellt.

Sie wurde mit Verdacht eines hämolytisch urämischen Syndroms bei akutem Nierenversagen und Delir zugewiesen. Die Patientin wurde in der 34. Schwangerschaftswoche bei beginnenden HELLP-Syndroms per Notfallsectio von Zwillingen entbunden. Intraoperativ entwickelte sich eine schwere Atonie. Bei massivem Blutverlust erfolgte eine Massentransfusion. Im Verlauf entwickelte die Patientin ein protrahiertes Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit und Delir.

Diagnostik und Verlauf:

Bei Aufnahme zeigte sich die Patientin in einem stuporösen Zustand bei Kreislaufstabilität. Laborchemisch ergab sich kein Hinweis auf das Vorliegen eines HUS. Auffällig waren eine neu aufgetretene thyreotrope und gonadotrope Insuffizienz sowie eine ausgeprägte Polyurie nach Beendigung der kontinuierlichen Dialysetherapie. Der Cortisolspiegel zeigte sich mit 1,1 mg/dl deutlich unterhalb des Normbereichs. Unter dem Einsatz von Hydrocortison zeigte sich die Patientin nach wenigen Stunden vollständig orientiert. Bei V.a. ein Sheehan-Syndrom wurde ein Schädel-MRT durchgeführt. Hier zeigte sich eine kleine Defektzone der Hypophyse linksseitig vereinbar mit einem Z.n. Einblutung oder Apoplexie.

Fazit:

Postpartal sollte nach hohem Blutverlust, protrahiertem Krankheitsverlauf mit Delir und Nierenversagen, immer auch an das seltene Krankheitsbild des Sheehan-Syndroms gedacht werden.