Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 279-280
DOI: 10.1055/s-0038-1671611
Freie Vorträge
Donnerstag, 01.11.2018
Präexistente maternale Erkrankungen in der Schwangerschaft
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Therapiestrategien bei Diabetes mellitus und Schwangerschaft: Welche Verbesserungen hat die Implementierung der Fetalsonografie zum ausschließlichen mütterlichen Blutglukosemonitoring gebracht?

S Schütze
1  Universitätsklinikum Jena, Jena, Deutschland
,
W Battefeld
2  Medizinisches Versorgungszentrum Kempten-Allgäu, Kempten, Deutschland
,
T Groten
3  Universitätsklinikum Jena, Geburtshilfe, Jena, Deutschland
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Mit der Gründung des Kompetenzzentrums für Diabetes und Schwangerschaft an der Klinik für Geburtsmedizin in Jena 2006 wurde die Fetalsonografie ergänzend zum Blutglukosemonitoring in die Betreuung von Schwangeren mit vorbestehendem Diabetes mellitus (DM) eingeführt. Der Einfluss des Monitoring der fetalen Wachstumsparameter auf das Outcome von Schwangerschaften bei DM wurde untersucht.

Methodik:

In einer Kohortenstudie wurden Schwangere (n = 217) mit DM Typ 1 und 2 eingeschlossen. 99 Schwangere wurden im Zeitraum 1994 – 2005 betreut und allein auf Basis des Blutglukosemonitoring therapiert. Bei 114 Schwangeren, die im Zeitraum 2006 – 2014 betreut wurden zusätzlich zur Überwachung der maternalen Blutglukose fetale Wachstumsparameter, die im Rahmen 14 tägiger Fetalsonografien erhoben wurde, in das therapeutische Management einbezogen.

Ergebnisse:

93,5% aller Patientinnen erreichten bis zur Entbindung eine normoglykäme Stoffwechsellage. Unter Einbeziehung der Ultraschallparameter konnte im Vergleich häufiger das Therapieziel (HbA1c< 6,2%: 89,2% vs. 85,6%, n.s.; mittlere BG 6,0 ± 0,8 bis 6,6 ± 1,1 vs. 6,2 ± 1,1 bis 7,0 ± 1,1 mmol/l) mit einer niedrigeren maximalen Insulindosis (0,9 ± 0,3 vs. 1,0 ± 0,4 IE/kgKG, p < 0,05) erreicht werden. Gleichzeitig traten signifikant seltener Schwangerschaftskomplikationen auf (Präeklampsie: 7,1 vs. 22,2%, p < 0,01; vorzeitige Wehen: 5,4 vs. 21,2%, p = 0,001; Zervixinsuffizienz: 0 vs. 11,1%, p < 0,001). Die Rate an Makrosomien (19,6 vs. 22,2%, n.s.), neonatalen Hyperbilirubinämien (19,6 vs. 38,4%, n.s.) und respiratorische Anpassungsstörungen (20,5 vs. 28,3%, n.s.) wurde gesenkt.

Zusammenfassung:

Durch eine regelmäßige Fetalsonografie ab der 24. SSW in Kombination mit der Analyse des mütterlichen Glukosestoffwechsels können zeitnah individuelle therapeutische Interventionen ergriffen werden, die das Morbiditätsrisiko für Mutter und Kind senken. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der interdiziplinären Zusammenarbeit in der Betreuung von Schwangeren.