Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 284-285
DOI: 10.1055/s-0038-1671625
Freie Vorträge
Freitag, 02.11.2018
Endometrium- und Zervixkarzinom
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das villoglanduläre Adenokarzinom der Zervix uteri: Eine übertherapierte Sonderform des Zervixkarzinoms?

A Dietl
1  Universitätsklinik Freiburg, Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Freiburg, Deutschland
,
K Aumann
2  Universitätsklinik Freiburg, Pathologisches Institut, Freiburg, Deutschland
,
G Gitsch
1  Universitätsklinik Freiburg, Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Freiburg, Deutschland
,
M Klar
1  Universitätsklinik Freiburg, Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Freiburg, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Etwa 4% der zervikalen Adenokarzinome sind villoglanduläre Adenokarzinome (VGA). Diese Sonderform soll im Vergleich zum herkömmlichen Zervixkarzinom eine sehr gute Prognose aufweisen. Ist daher ein nicht radikal-operatives Vorgehen vertretbar?

Materialien/Methoden:

Nach drei eigenen Fällen wurde eine systematische Literaturrecherche mit den Stichwörtern „villoglandular, cervical, adenocarcinoma“ in Pubmed (1989 – 2016) gestartet und eine Übersicht hinsichtlich Tumorstadium, Operation und Prognose erstellt.

Ergebnisse:

Drei Patientinnen aus der UFK Freiburg wurden analog der Therapie des Plattenepithelkarzinoms der Zervix uteri behandelt (ein IA1 mit Konisation und zwei IB1 mit radikaler Hysterektomie), ebenso wie die in den 27 Publikationen gefundenen 143 Patientinnen mit Stadium I (sechs Ia1, 107 Ib1, neun Ib1 – 2, acht Ib2, 13 I). Das mediale Erkrankungsalter betrug 39,6 Jahre. Bei 21 Patientinnen erfolgte stadiengerecht die Konisation, bei 13 eine einfache Hysterektomie, bei vier eine radikale Trachelektomie und bei 90 eine radikale Hysterektomie. Die restlichen 14 Fälle verteilten sich: einfache/radikale Hysterektomien mit adjuvanter Radiatio ± Chemotherapie. Nach einer Nachbeobachtungszeit zwischen 5 Monaten und 19 Jahren wurden bei 142 von 143 Patientinnen kein Rezidiv oder distante Metastase beschrieben. Eine Patientin verstarb später an einem VGA, bei der die Primärdiagnose endometrioides Adenokarzinom der Zervix in einer Biopsie und nicht wie empfohlen in einem Konisat erstellt wurde.

Zusammenfassung:

Das VGA im Stadium FIGO Ia/Ib hat nach operativer Behandlung eine exzellente Prognose. Bei vollständiger Entfernung des VGA durch eine Konisation, sorgfältiger histologischer Aufarbeitung mit Ausschluss eines Zweitkarzinoms (Adeno- oder Plattenepithelkarzinom) und einer Lymphangiosis carcinomatosa scheint im Einzelfall ein wenig radikales Vorgehen (nur Konisation bei Kinderwunsch, sonst einfache Hysterektomie) möglich.