Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 286-287
DOI: 10.1055/s-0038-1671631
Freie Vorträge
Freitag, 02.11.2018
Autoimmunologische Erkrankungen in der Schwangerschaft
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wird die venöse Thrombembolie (VTE)-Prophylaxe nach Sektio leitliniengerecht umgesetzt? Ergebnisse einer deutschlandweiten Umfrage 2017

T Goecke
1  RoMed Klinikum Rosenheim, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Rosenheim, Deutschland
2  Universitätsklinikum der RWTH Aachen, Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Aachen, Deutschland
,
F Voigt
2  Universitätsklinikum der RWTH Aachen, Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Aachen, Deutschland
,
E Stickeler
2  Universitätsklinikum der RWTH Aachen, Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Aachen, Deutschland
,
W Rath
3  Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Campus Kiel, Kiel, Deutschland
4  RWTH Aachen, Medizinische Fakultät, Aachen, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Ziel dieser Arbeit war eine Standortbestimmung zur Umsetzung der AWMF-S3-Leitlinie 003 – 001 (2015) „Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)“ nach Sektio.

Methodik:

Deutschlandweite Befragung aller geburtshilflichen Kliniken (n = 726) zur internen Praxis der VTE-Prophylaxe nach Sektio von 01 – 04 2017.

Ergebnisse:

Von den angeschriebenen Kliniken antworteten 54% (n = 389). 63% (n = 244) gaben an, sich an der AWMF-Leitlinie zu orientieren. Entgegen dieser Leitlinienempfehlung führt die meisten Kliniken (93%, n = 362) nach jeder Sektio eine medikamentöse VTE-Prophylaxe durch. Als Begründung wurde das erhöhte VTE-Risiko im Wochenbett aufgeführt (19%; n = 73), sowie Standardisierung/Vereinfachung (10%; n = 38). Lediglich 7% der Kliniken (n = 27) führen leitliniengerecht die medikamentöse VTE-Prophylaxe nur bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren nach Sektio durch. 162 Kliniken (41%) erheben strukturiert die VTE-Risiken; im Vergleich zu Geburtskliniken wird dies in PNZ Level 1 signifikant häufiger getan (35% vs. 47%; p = 0,05).

Zusammenfassung:

Entgegen der Selbsteinschätzung richten sich die meisten Kliniken bei der medikamentösen VTE-Prophylaxe nach Sektio nicht nach der aktuellen AWMF-S3-Leitlinie. Dieser Leitlinie zur Folge müsste nach Sektio bei Frauen ohne zusätzliche Risiken keine medikamentöse VTE-Prophylaxe erfolgen. Problematisch ist die geringe (< 50%) strukturierte Erfassung von individuellen VTE-Risiken. Eine gezielte Prophylaxe ist nur möglich, wenn eine individuelle Anamnese thrombogener Risikofaktoren gewährleistet ist. Verkomplizierend wirkt sich trotz strukturierter Anamnese die Vielzahl und (je nach Leitlinie) unterschiedliche Gewichtung der Risikofaktoren aus. Die AWMF-LL bietet im Gegensatz zu internationalen Leitlinien (z.B. RCOG 2015) kein Bewertungssystem der Risiken und unterscheidet nicht zwischen elektiver und sekundärer Sektio, letztere mit erhöhtem VTE-Risiko. Daher ist das abweichende Vorgehen von der AWMF-Leitlinie nachvollziehbar.