Zusammenfassung
Das deutsche Wort „Persönlichkeit“ entstand um 1300 aus den lateinischen Bildungen
„personalitas“ bzw. „persona“, die wiederum auf den etruskischen Namen „phersu“ zurückgehen.
Seit dem 16. Jahrhundert wurde der ursprüngliche theologische Sinngehalt säkularisiert,
um innerhalb von Philosophie und später Psychologie erstmals Aspekte ichhafter Subjektivität
zu kennzeichnen. Lange Zeit mit „Charakter“ und „Temperament“ konkurrierend, erreichte
„Persönlichkeit“ in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg seine heute unangefochtene
Stellung in der Fachterminologie. Neben etymologischen Aspekten werden begriffsunabhängige
Konzeptionen von Persönlichkeit im historischen Längsschnitt vorgestellt. Antike und
Mittelalter lieferten systematische Theorien, verzichteten jedoch auf eine differenzierte
Kennzeichnung der Einzelpersönlichkeit. Erst mit den Wirtschaftsreformen der Renaissance
und dem Aufstieg des Protestantismus, noch mehr mit dem Wandel sozioökonomischer Rahmenbedingungen
um 1800 erwachte das wissenschaftliche Interesse an z.T. klinisch relevanten interindividuellen
Unterschieden. Frühformen heutiger Persönlichkeitskonzepte entstanden daher zuerst
in der Psychopathologie. Abschließend wird verdeutlicht, wie stark gegenwärtige Klassifikationen
in der europäischen Geistesgeschichte verwurzelt sind.
Summary
The German expression „Persönlichkeit“ originated around 1300 from the Latin terms
“personalitas” and “persona” which stem from the Etruscan name “phersu”. In the 16th
and 17th centuries, the former theological meaning was secularized by philosophers
in order to typify aspects of self-centered subjectivity. Competing over a long time
with “Character” and “Temperament”, it was only after World War II that “Persönlichkeit”
achieved its presently undisputed status as a technical term in German psychology
and psychiatry. Along with etymological features, this paper presents concepts of
personality and its disorders in a diachronic historical perspective. Economic reforms
during the Renaissance, the rise of Protestantism and particularly social changes
around 1800 spurred medical and scientific interest in differences among individuals.
Thus the earliest outlines of contemporary concepts were conceived in psychopathology.
In conclusion, the paper emphasizes the roots of present-day classifications such
as DSM IV and ICD 10 in the European history of ideas.
Schlüsselwörter
Psychiatriegeschichte - Persönlichkeit - Persönlichkeitsstörungen - Terminologie
Keywords
History of psychiatry - personality - personality disorders - terminology