Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(01): 100-101
DOI: 10.1055/s-0038-1676896
Wissenschaftliche Sitzung am 21.11.2018
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vaginal-operative Geburtshilfe: Folgen, Vor- und Nachteile für die Mutter

C Schwarz
1   Universität zu Lübeck, Sektion Medizin, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Studiengang Hebammenwissenschaft
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Publication Date:
17 January 2019 (online)

 

Hintergrund:

In Deutschland werden etwa 7% aller Geburten vaginal-operativ beendet. Ziel ist in der Regel die indizierte aktive Beendigung einer Geburt unter Vermeidung einer Sectio caesarea. In diesem Kontext ist es wichtig, die Vor- und Nachteile nicht nur aus Sicht des Kindes, sondern auch aus der Perspektive der Frau zu berücksichtigen. Dabei sind kurz- und langfristige körperliche und emotionale Faktoren im Fokus der Betrachtung.

Methode:

Bei einer unsystematischen Literaturrecherche wurde nach aktuellen Publikationen zu Vor- und Nachteilen sowie Auswirkungen der vaginal-operativen Geburtshilfe aus Sicht der Frau gesucht.

Ergebnisse:

Zu den wesentlichen Vorteilen der vag.-op. Geburt zählt auf der somatischen Ebene die Vermeidung der Sectio mit all den assoziierten Akut- und Folgeproblemen. Daneben ist die vag.-op- Geburt eine Möglichkeit, eine vaginale Geburt auch zu ermöglichen, wenn aus medizinischer Indikation eine aktive Austreibungsphase Risiken für die Schwangere bedeutet. Als Nachteil werden Trauma und/oder Überdehnung des Beckenbodens diskutiert, mit akuten Folgen wie Blutungen, Infektionen und Schmerzen, und Senkungs- und Prolapsproblematiken in späteren Lebensjahren. Als psychische Risiken werden in der Literatur die (Re)traumatisierung von Frauen bis hin zur Tokophobie für Folgeschwangerschaften genannt. Allerdings ist hier die Varianz zwischen den Studienergebnissen sehr groß, und das Geburtserlebeng der Frauen sehr heterogen. Entscheidend für eine positive Geburtserfahrung erscheint letztendlich aus Sicht der Frauen nicht der Geburtsmodus, sondern eine wertschätzende Kommunikation während und nach der Geburt, sowie die Möglichkeit der Partizipation an den Entscheidungsprozessen. Betont wird in aktuellen Publikationen auch, dass die Vermeidung des „Geburtsstillstandes“ immer Priorität im geburtshilflichen Handeln haben sollte: Effektive Strategien sind hier die 1:1 Betreuung, aufrechte Geburtshaltungen, Mobilität, verzögerter Pressbeginn, und das Tolerieren „langer“ Austreibungsperioden solange es Frau und Kind gut geht.

Zusammenfassung:

Die vaginal-operative Geburtshilfe ist eine wichtige Kunst: Sie sollte einen entsprechenden Stellenwert in der Aus- und Weiterbildung erhalten. Sie darf aber – ebenso wie jede andere Intervention – nur im Kontext angemessener, effektiver und wertschätzenden Kommunikation mit der gebärenden Frau eingesetzt werden.

Literatur:

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