Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 205
DOI: 10.1055/s-0039-1678359
Kurzvorträge 1: Psychosomatische Geburtshilfe, Mutter – Kind – Gesundheit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prädiktion postpartaler Depressivität während der Schwangerschaft mit Hilfe der Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala

K Lingenfelder
1  Geburtshilfe und Pränataldiagnostik, Universitätsfrauenklinik Heidelberg
,
M Feißt
2  Medizinische Biometrie und Informatik, Universitätsklinik Heidelberg
,
S Wallwiener
1  Geburtshilfe und Pränataldiagnostik, Universitätsfrauenklinik Heidelberg
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Etwa 10 – 15% der Frauen leiden innerhalb des ersten Jahres nach der Entbindung an postpartaler Depressivität, dabei zeigen sich bei vielen Betroffenen bereits in der Schwangerschaft depressive Symptome. Ziel dieser Arbeit war es, den Zeitpunkt innerhalb des 2. und 3. Trimenons zu ermitteln, welcher mit der höchsten Prädiktion für postpartale Depressivität einhergeht. Hierzu wurden im Rahmen der prospektiven Längsschnittstudie PRELAX (gefördert durch ein Forschungsstipendium der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe) 597 Schwangere ab der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) präpartal im 4-wöchigen Intervall und postpartal nach jeweils einer Woche, 3 und 6 Monaten untersucht. Als Screeninginstrument peripartaler Depression wurde die Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala (EPDS) eingesetzt. Die Auswertung erfolgte anhand einer Receiver-Operator-Characteristic-Curve (ROC) Analyse. EPDS-Werte ≥ 10 zeigten sich zum Zeitpunkt eine Woche postpartal (n = 184) bei 18,4%, 3 Monate postpartal (n = 163) bei 9,8% und 6 Monate postpartal (n = 136) bei 13,2% der Frauen. Für den Zeitpunkt eine Woche postpartal wurde die größte Area under the curve (AUC) mit 0,76 in der 32. SSW erreicht, bei 3 Monaten postpartal mit 0,85 in der 24. SSW und für den Zeitpunkt 6 Monate postpartal mit 0,75 in der 28. SSW. Je größer die AUC, desto größer ist die Klassifizierungsfähigkeit zwischen Frauen mit postpartaler Depression und Frauen ohne Symptome. Zum Zeitpunkt 1 Woche postpartal ist die postpartale Depressivität nicht eindeutig vom Babyblues kurz nach der Geburt abzugrenzen. Basierend auf den Ergebnissen zum Zeitpunkt 3 und 6 Monate postpartal, scheint demnach ein Screening zwischen der 24. und 28. SSW am besten zur Vorhersage postpartaler Depressivität geeignet zu sein.