Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 206
DOI: 10.1055/s-0039-1678362
Kurzvorträge 1: Psychosomatische Geburtshilfe, Mutter – Kind – Gesundheit
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psychotherapeutische Begleitung bei Frühgeburtlichkeit: Frau Hope – Der Wunsch nach Leben siegt über die Angst (Fallvorstellung)

J Rothaug
1  Perinatalzentrum, Universitätsklinikum Jena
,
E Schleußner
1  Perinatalzentrum, Universitätsklinikum Jena
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Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Einleitung Die Fallvorstellung schildert den Verlauf einer 37-jährigen Patientin, die bereits 2010 und 2012 2 Töchter durch eine schwere Präeklampsie verloren hatte. Bei erneuter Schwangerschaft 2018 und drohender Präeklampsie stellten sich massive Ängste bezüglich des SSW-Verlaufes und der Prognose des Kindes ein.

Methoden Ab der 16. SSW wurde die Patientin ambulant und im Verlauf stationär (ab der 22. SSW) von der klinikinternen Psychologin mitbetreut. In den ca. wöchentlich, phasenweise engmaschiger, stattfindenden Gesprächen wurden zunächst die Ängste bezüglich der aktuellen Schwangerschaft bearbeitet, es tauchten jedoch bald die traumatischen Erfahrungen der beiden ersten Schwangerschaften auf, die mit hypnotherapeutischen Methoden verarbeitet und integriert werden konnten. Auch der Ehemann der Patientin, der auch unter starken Ängsten litt, wurde in die Gespräche eingebunden, auch in Einzelgesprächen. Die Entbindung musste aufgrund der eskalierenden Präeklampsie in der 25 +4 SSW vorgenommen werden. Die ersten, „magischen“ 4 Wochen nach der Entbindung, die Lebenszeit der ersten Tochter, waren für beide Eltern extrem belastend. Traumabearbeitung und Angstbewältigung standen weiter im Fokus der psychotherapeutischen Arbeit.

Ergebnisse Nach der Entbindung gelang es beiden Eltern, trotz ihrer starken Ängste und der Allgegenwart von Triggern auf der Neo-ITS täglich für ihren Sohn da zu sein und im Rahmen des medizinisch Möglichen in seine tägliche Pflege integriert zu werden. Die Entlassung nach Hause erfolgte nach 12 Wochen Neonatologie.

Schlussfolgerungen Die psychotherapeutische Unterstützung trug dazu bei, dass die Patientin und ihr Ehemann die notwendige Stabilität finden konnten, um für ihren in der 24. SSW frühgeborenen Sohn als verlässliche, stabile Bindungspersonen zur Verfügung zu stehen.