Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 207-208
DOI: 10.1055/s-0039-1678367
Kurzvorträge 2: Psychosomatische Geburtshilfe, Trauma – Migration – Intervention
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Traumatisierte Mütter – Einfluss auf die postpartale Psychopathologie und die Mutter-Kind-Interaktion

J Junge-Hoffmeister
1  Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum Dresden
,
A Bittner
1  Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum Dresden
,
V Kress
1  Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum Dresden
,
T Wetzel
1  Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum Dresden
,
K Weidner
1  Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum Dresden
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Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Hintergrund Frühe Traumatisierungen erhöhen das Risiko für postpartale Anpassungsprobleme und eine gestörte Mutter-Kind-Interaktion. Traumatisierte Frauen sind emotional weniger verfügbar, was transgenerationale Risiken für die kindliche Entwicklung mit sich bringt. Diese sind Gegenstand einer interaktionszentrierten Mutter-Kind-Behandlung.

Methoden Aus insgesamt 263 Müttern, die wegen postpartaler psychischer Erkrankungen von 2010 – 2018 in unserer Mutter-Kind-Tagesklinik behandelt wurden, wurden anhand von Interview- und Fragebogendiagnostik (Childhood Trauma Questionnaire) drei Gruppen gebildet: A) ohne Kindheitstrauma/ohne aktuelle PTBS (N = 92, non-trauma), B) mit Kindheitstrauma (Childhood Maltreatment, CMT)/ohne aktuelle PTBS (N = 111, CMT only) oder C) beides (N = 35, CMT/PTBS). Komorbide Depressionen waren gleichverteilt. Psychopathologie (EPDS, STAI, BSI) bei Aufnahme und differentielle Treatmenteffekte wurden gemessen sowie Videoanalysen (N = 72) zur mütterlichen Feinfühligkeit durchgeführt und mit einer gesunden Kontrollgruppe (N = 31) verglichen.

Ergebnisse Bei Aufnahme waren die Trauma-Gruppen sign. ängstlicher und psychisch beeinträchtigter als die Non-Trauma-Gruppe (p < 0,001). Differentielle Treatmenteffekte waren zu Ungunsten der PTBS/CMT-Gruppe nachweisbar (p < 0,011). Prä-post Videoanalysen ergaben ebenfalls Gruppenunterschiede bzgl. der Feinfühligkeit, insbesondere eine anhaltend erhöhte Intrusivität traumatisierter Mütter.

Schlussfolgerungen Kindheitstraumatisierungen haben einen bedeutsamen Einfluss auf die postpartale Psychopathologie, aber auch auf die Prognose im Rahmen einer postpartalen Interaktionsbehandlung. Die mütterliche Feinfühligkeit sollte auf Grund ihrer Relevanz für die kindliche Entwicklung im Fokus der Behandlung stehen und die spezifischen Defizite traumatisierter Frauen berücksichtigen.