Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 209
DOI: 10.1055/s-0039-1678372
Kurzvorträge 2: Psychosomatische Geburtshilfe, Trauma – Migration – Intervention
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Peripartale Depression bei instrumentellen und emotionellen Defiziten in der sozialen Unterstützung: Erforschung Psychoneuroendokrinologisch-Protektiver Effekte einer Achtsamkeitsintervention

S Schweizer
1  Allgemeine Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsfrauenklinik Heidelberg
,
M Müller
2  Psychologisches Institut, Ludwig-Maximilians-Universität München
,
C Reck
2  Psychologisches Institut, Ludwig-Maximilians-Universität München
,
M Wallwiener
1  Allgemeine Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsfrauenklinik Heidelberg
,
S Wallwiener
1  Allgemeine Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsfrauenklinik Heidelberg
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Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Die Zusammenhänge zwischen endokrinen und sozialen Interaktionsmechanismen im Peripartum sind noch kaum erforscht, obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend darauf hinweisen, dass ein erhöhtes Risiko für peripartale Depressionen oder Angststörungen besteht, wenn die sozial-interaktionelle Dynamik (in erster Linie Paardynamik) sich dysfunktional gestaltet. Hier sind Defizite in der sozialen Unterstützung der Schwangeren durch die wichtigsten Bezugspersonen, sei es im instrumentellen und/oder emotionellen Unterstützungsbereich, wichtige Indikatoren. Sozial-interaktionelle Dysfunktionen im Social Support stellen potente Stressoren dar (z. B. in Form von Doppelbelastung der Frau oder emotionaler Neglect) und können insbesondere bei vulnerablen Frauen folgenreiche Störungen im Wechselspiel zwischen Stress-Achsenfunktion und weiblichem Endokrinum nach sich ziehen. Im vom Innovationsfonds geförderten Mind : Pregnancy-Projekt für Baden-Württemberg, in dem Gynäkologen und Psychologen beispielhaft zusammenarbeiten, wird ein hypothetisierter psychoneuroendokrinologisch-protektiver Interventionseffekt einer web-basierten Achtsamkeitsintervention bei Defiziten in Bezug auf verschiedene Typen der sozialen Unterstützung bei 822 von ca. 15 000 Schwangeren untersucht, die in einem Screening auf affektive Symptome als auffällig identifiziert werden. Unter anderem werden in der 30. SSW sowie 5 Monate postpartum mittels der Berliner Social Support Skalen (BSSS) Daten zur instrumentellen und emotionellen Unterstützung sowie Cortisol-Morgenprofile (CAR) erhoben. Dieser Vortrag soll neben der Projektvorstellung einen kurzen Überblick über die projekt-relevanten Schlüsselkonzepte aus Psychoneuroendokrinologie/Stressphysiologie und sozialer Neurowissenschaft sowie epigenetischer Vulnerabilität für hormonelle Schwankungen bieten. Auch sollen die evidenz-basiert stress-reduzierendsten Formen sozialer Unterstützung im peripartalen Paar vorgestellt werden.