Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 211
DOI: 10.1055/s-0039-1678380
Kurzvorträge 3: Psychosomatische Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sexualität und ihr Potenzial innerhalb des Konzeptes der in die Frauenklinik integrierten resonanzfokussierten Gynäkologischen Psychosomatik der MHH

S Holthausen-Markou
1  Gynäkologische Psychosomatik, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Hochschule Hannover
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Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Einleitung Im professionellen Umgang mit Sexualität unserer Patientin geht es zentral um Integration ihrer Ängste, Sehnsucht und Hoffnungen innerhalb ihrer individuellen und paarbezogenen Grenzen und deren Überschreitungen. Resonanz erleben Patientinnen, ggf. ihre Partner oder Angehörige dann, wenn sie möglichst vorurteilsfrei empathisch gehört, gesehen, wahr- und angenommen werden und wir Ihnen realitätsnah in für sie verständlicher Sprache begegnen. So kann Vertrauen wachsen und Raum entstehen für konstruktive Entwicklungen. Wesentlich sind Reflexionen im gemeinsamen Prozess nah am aktuellen gynäkologischen oder geburtshilflichen Thema unter achtsamer Aktivierung von Ressourcen der Patientin und des multiprofessionellen Teams in Form von Inter- und Supervisionen.

Methoden Je nach Setting, einer Behandlung in gynäkologisch psychosomatischer Ambulanz, zusätzlich interdisziplinärer und/oder stationärer in der Frauenklinik, ist Erarbeitung und Entwicklung von Resonanz wesentlich. Gemeint ist die zwischen Patientin und im Kontext der „Gynäkologischen Psychosomatik“ tätigen Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen. So nimmt ein Team auf die Patientin und die Ihren konstruktiv Einfluss auf das gegenwärtige und antizipierte Erleben von Sexualität. Mit Feingefühl zu berücksichtigen sind bisherige Haltungen und Erfahrungshintergründe.

Ergebnisse Je aufmerksamer, empathischer und resonanter wir mit Patientin und uns im Team umgehen, desto mehr ist sie in der Lage, sich zu öffnen, sich uns anzuvertrauen und zu reflektieren über intime Themen wie Sexualität. Im gelungenen Fall können wir entwicklungsfördernde und identitäts- und das Paar stärkende Impulse setzen.

Schlussfolgerung Wesentliche Basis für die resonanzfokussierte integrierte gynäkologische Psychosomatik ist die Bereitschaft, sich in einem kontinuierlichen inneren und äußeren Prozess mit Sexualität zu beschäftigen. Für das multiprofessionelle Team heißt dies, bewusst diesen wesentlichen Aspekt des Personseins zu enttabuisieren und durch einen kontinuierlichen Auseinandersetzungsprozess zu integrieren.