Zeitschrift für Phytotherapie 2019; 40(S 01): S7
DOI: 10.1055/s-0039-1697260
Plenarvorträge
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Safran bei Depression

K Nieber
1   Universität Leipzig, Institut für Pharmazie, Leipzig
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
09 September 2019 (online)

 

Seit Jahrtausenden wird Safran (Crocus sativus L.), nicht nur als Gewürz, sondern auch für kultische Zwecke oder als Arzneidroge mit vielfältigen traditionellen medizinischen Indikationen verwendet. In jüngerer Zeit sind verstärkt wissenschaftliche Berichte und klinische Studien publiziert worden, die sich auf den möglichen Einsatz bei Depressionen beziehen. Deshalb erscheint es interessant, das derzeitige Wissen hierzu zusammenzufassen.

Bisher sind 11 randomisierte klinische Studien publiziert mit ca. 500 Patienten (256 erhielten die Testsubstanz) mit leichter bis mittelschwerer Depression. In den meisten Fällen wurde eine Dosis von 30 mg/d über einen Zeitraum von 6 – 8 Wochen verabreicht und im Vergleich zu Placebo oder synthetischen Antidepressiva (Fluoxetin, Imipramin, Citralopram) untersucht. In allen Studien war Safran signifikant besser wirksam als Placebo und erwies sich als nahezu äquivalent in der Wirkung zu den Antidepressiva [1]. Die Analyse bestätigte die relative gute Verträglichkeit von Safran und seiner aktiven Bestandteile, da sich das Auftreten von Nebenwirkungen gegenüber Placebo nicht unterschied.

Aus Rezeptorbindungsstudien ist bekannt, dass Safranextrakt eine antagonistische Wirkung am NMDA-Rezeptor von Neuronen hat und dass diese Hemmwirkung auf Crocetin beruht [2]. Dabei konnte eine Wechselwirkung von Crocetin mit der PCP-Bindungsstelle des Rezeptors belegt werden. Weiterführende elektrophysiologische Untersuchungen an Hirnschnitten von Ratten bestätigten die NMDA-Rezeptor-Aktivität von Safranextrakten und Crocetin und damit die Hemmung der glutamatergen synaptischen Neurotransmission [3]. Aus diesen pharmakologischen Befunden lassen sich schlüssig die positiven Effekte bei Depressionen ableiten, die auf Crocetin als Wirksubstanz zurückgeführt werden können.

Nach vorliegenden Untersuchungen könnten Safran oder die als Prodrugs fungierenden Crocine und die Wirksubstanz Crocetin spannende Arzneistoffe mit Potenzial bei Depression sein.

Literatur:

[1] Toth B et al. Planta Med 2019; 85: 24 – 31

[2] Lechtenberg M et al. Planta Med 2008; 74: 764 – 772

[3] Berger F et al. Neuroscience 2011; 180: 238 – 247