PSYCH up2date 2015; 9(03): 149-160
DOI: 10.1055/s-0041-100490
Affektive Störungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Depression in der Peripartalzeit – Diagnostik, Therapie und Prophylaxe

Anita Riecher-Rössler
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
21. Mai 2015 (online)

Kernaussagen
  • Um depressive Erkrankungen bei Frauen in der Peripartalzeit nicht zu übersehen, empfiehlt es sich, alle schwangeren Frauen über Depression aufzuklären und routinemäßig die EPDS als Screeninginstrument einzusetzen.

  • Bei Hinweisen auf eine Depression ist eine ausführliche psychiatrische Diagnostik durchzuführen.

  • Insbesondere in der Schwangerschaft sollten zunächst alle nichtpharmakologischen Möglichkeiten ausgenutzt werden, einschließlich einer ausführlichen Psychoedukation zur Entlastung von Schuldgefühlen, Psychotherapie, sozialen Interventionen oder auch Lichttherapie.

  • In schwereren Fällen ist jedoch auch eine Psychopharmakotherapie unumgänglich, wobei der Therapeut auf aktuellem Kenntnisstand bezüglich Indikation, Kontraindikation und Risiken der einzelnen Pharmaka sein sollte.

  • Die Entscheidung, welche Therapiemaßnahmen ergriffen werden sollen, kann nur zusammen mit der Mutter getroffen werden und sollte gut dokumentiert sein.

  • Väter sollten möglichst in alle Prozesse einbezogen werden.

  • Auch in Bezug auf die Frage des Stillens hat eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Analyse zu erfolgen.

  • Von größter Bedeutung ist auch die Prophylaxe bei psychisch kranken Frauen im gebärfähigen Alter. Sie sollten von ihrem behandelnden Therapeuten regelmäßig auf ihren Kinderwunsch befragt und gegebenenfalls hinsichtlich sicherer Kontrazeption, Schwangerschafts- und Medikationsplanung beraten werden.

  • Psychopharmaka mit hohem Fehlbildungsrisiko, wie z. B. Valproat, sollten Frauen in gebärfähigem Alter prinzipiell nicht verordnet werden.