PSYCH up2date 2015; 9(04): 209-224
DOI: 10.1055/s-0041-101201
Affektive Störungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Depression im Alter

Michael Hüll
,
Frederike Bjerregaard
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Publication History

Publication Date:
17 July 2015 (online)

Kernaussagen

Jede depressive Episode nach dem 60. Jahr wird als Late Life Depression (LLD) bezeichnet. Unterschieden wird weiterhin, ob bereits in früheren Jahren eine depressive Episode stattgefunden hat (EOD) oder die Erstmanifestion ebenfalls im höheren Alter stattfindet (LOD). Für eine differenziertere Einteilung spielen besonders das Alter bei Auftreten der 1. Depression, das Vorliegen vaskulärer Hirnläsionen sowie das Auftreten eines dysexekutiven Syndroms eine Rolle. Die Risikofaktoren für eine LLD sind vielfältig und umfassen Geschlecht, Bildungsstatus, soziale Kontakte, kritische Lebensereignisse und die allgemeine Lebenssituation. Laborchemisch und klinisch lassen sich die häufig vorkommenden Komorbiditäten abklären und ggf. separat behandeln. Die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva orientiert sich an den Nebenwirkungen; zusätzlich ist eine Elektrokrampftherapie individuell geeignet. Psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten umfassen das Problemlösetraining, Lebensrückblicksinterventionen und die interpersonelle Psychotherapie. Da ältere Menschen bevorzugt im hausärztlichen Kontext behandelt werden, bieten kollaborative Modelle, die die hausärztliche Versorgung mit depressionsspezifischen leitlinienorientierten Interventionen vereint, eine Chance die Versorgungssituation zu verbessern. Auf diese Weise kann evtl. der mangelhaften Versorgungssituation gerade älterer depressiver Patienten begegnet werden.