Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36(05): 202-205
DOI: 10.1055/s-0041-106942
Forschung
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Empfehlenswerte Galenik von pflanzlichen Arzneimitteln in der Altersmedizin*

André-Michael Beer
,
Dieter Loew
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
19. November 2015 (online)

Zusammenfassung

Pharmakodynamische und pharmakokine­tische Aspekte spielen bei der Auswahl von Arzneimitteln in der Altersmedizin eine große Rolle. Zu wenig bekannt ist, dass neben den Parametern für die Wirksamkeit, bei ­älteren Patienten sowie bei Jugendlichen ­organoleptische Kriterien, wie Geschmack, Geruch und Aussehen eine große Rolle spielen. Damit sind wir bei der Verordnung oder Empfehlung von Medizinalkräutertees, ­Medizinalweinen, Frischpflanzensäften und Sirupen. Leider existieren von diesen galenischen Formen nur Erfahrungswerte und keine klinischen Studien, was nachgeholt werden sollte. Verschiedene Publikationen zeigen eine potenziell inadäquate Medikation bei Älteren und beschreiben nur chemisch definierte Optionen. Pflanzliche Zubereitungen werden in den Leitlinien bescheiden berücksichtigt, obwohl sie pharmakody­namisch und pharmakokinetisch ähnlich oder sogar gleich wirksam und mit weniger Nebenwirkungen behaftet sind sowie eine bessere Compliance aufweisen. Für die ­Praxis notwendig ist es, neben den Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit auch die möglichen galenischen Zubereitungen zu kennen, um für individuelle Verordnungen das geeignete pflanzliche Arzneimittel auswählen zu können. Sie umfassen für den geriatrischen Bereich geeignete moderne galenische Formen wie Filmtabletten, Dragees, Tinkturen und Weich- und Hartgelatinekapseln. Die in der Publikation genannten galenischen Formen entsprechen am ehesten den Prinzipien der Naturheilverfahren, d. h. Gesamtextrakte ohne Verwendung von Pestiziden.

Summary

Recommended galenic formulation of herbal remedies in geriatric medicine

Pharmacodynamic and pharmacokinetic aspects of age in the selection of drugs play an important role in geriatric patients. Various publications present potentially ­inappropriate medications for the elderly and recommend chemically defined options only. Unfortunately herbal preparations are not listed nor taken into account, ­although they differ pharmacodynamically and pharmacokinetically from synthetics, are equally effective with fewer side effects, and are associated with better compliance. Knowledge of galenic preparations is necessary for choosing the correct formula. In geriatrics, appropriate modern galenic forms such as tablets, dragees, tinctures as well as soft and hard gelatin capsulae are used. The galenic formulae referred to in this publication correspond most closely to the principles of naturopathic medicine.

* Im Gedenken an Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heinz Schilcher, der noch in den Monaten vor seinem Tode wesentlich zur Manuskripterstellung beigetragen hat.


 
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