Kardiologie up2date 2015; 11(04): 265-287
DOI: 10.1055/s-0041-110070
Kardiovaskuläre Notfälle
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Das akute Koronarsyndrom[*]

Dawid L. Staudacher
,
Paul M. Biever
,
Christoph Bode
,
Tobias Wengenmayer
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Publication Date:
22 December 2015 (online)

Abstract

Acute coronary syndrome (ACS) is the working diagnosis of patients with acute chest pain and a presumed insufficient myocardial perfusion. Prognosis of myocardial infarction with delayed or incorrect treatment is poor, therefore rapid diagnosis is essential. Since chest pain is frequent, all medical personal is likely to be confronted with ACS patients in everyday practice. Even for cardiologist however, treatment of ACS patients can be challenging.

This review article covers all ACS subtypes including ST-elevation myocardial infarction, non-ST-elevation myocardial infarction and instable angina. Pathophysiology and clinical presentation are addressed and algorisms on diagnosis and treatment are supplied. Information including exact doses of all drugs with indication in ACS patients is given. All information is based on current treatment guidelines.

Kernaussagen
  • Bei jedem Patienten mit klinischem Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom (z. B. plötzlich aufgetretene Brustschmerzen) sollte man unverzüglich ein 12-Kanal-EKG schreiben, um ein STE-ACS (= STEMI) diagnostizieren zu können, das einer unverzüglichen Behandlung bedarf.

  • Beim STEMI besteht die Therapie neben der unverzüglichen Planung der Revaskularisierung (bevorzugt per Koronarangiografie) aus der Verabreichung von Azetylsalizylsäure, Heparin und (unter Berücksichtigung des Blutungsrisikos) mit einem P2Y12-Antagonisten (Prasugrel, Ticagrelor, Clopidogrel). Den Blutdruck senkt man mit Glyceroltrinitrat auf normale Werte. Wenn die Sauerstoffsättigung unter 90 % liegt, verabreicht man außerdem Sauerstoff.

  • Angesichts der Dichte der Zentren mit 24-stündiger PCI-Bereitschaft ist die Indikation zur medikamentösen Lyse heute sehr selten geworden. Sie behält jedoch ihren Stellenwert zur Therapie des STEMI, wenn eine PCI nicht innerhalb von 2 Stunden nach medizinischem Erstkontakt möglich ist und keine Kontraindikationen gegen die Lyse bestehen. Sofern indiziert, sollte sie so schnell wie möglich, auf jeden Fall aber innerhalb von 30 min nach medizinischem Erstkontakt beginnen.

  • Besteht bei einem Patienten mit Angina pectoris keine ST-Hebung, stellt man bei hoher Wahrscheinlichkeit für ein ACS die Arbeitsdiagnose „NSTE-ACS“. Beweisen lässt sich der NSTEMI durch einen Anstieg des hochsensitiven Troponins in der Kontrolle nach 3 Stunden. Auch die instabile Angina ist ein ACS und bedarf einer weiteren kardiologischen Abklärung.

  • Bei jedem Patienten nach Herzinfarkt (STEMI und NSTEMI) ist eine doppelte Thrombozytenaggregationshemmung für 12 Monate indiziert, unabhängig von der gewählten Behandlungsstrategie (konservativ oder invasiv) oder dem verwendeten Stent (mit oder ohne Medikamentenbeschichtung), gefolgt von einer Dauertherapie mit Azetylsalizylsäure. Zusätzlich sollte man ein Statin und bei reduzierter Pumpfunktion oder Hypertonie einen ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten sowie ggf. einen Betablocker verordnen.

* Dieser Artikel ist ein Zweitabdruck des Beitrags in: Intensivmedizin up2date 2014; 10: DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0034-1365715