Klin Neurophysiol 2016; 47(01): 42
DOI: 10.1055/s-0042-100223
Buchbesprechung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hirntod, Konzept-Kommunikation-Verantwortung

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Publication Date:
09 March 2016 (online)

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Dag Moskopp, leitender Neurochirurg, legt ein absolut lesenswertes Buch zum Thema Hirntod vor, das in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich ist. Zum einen stammt der gesamte Text aus seiner Feder, es ist also kein Vielautorenbuch und damit sehr einheitlich, zum anderen geht es weit über die in diesem Kontext üblichen Fragen wie Hirntodkonzept, Diagnostik oder diagnostische Sicherheit hinaus. In Kapitel 1 „Vorbemerkungen“ nimmt der Autor Stellung zum Anliegen und zur Entstehung des Buches und zu den Begrifflichkeiten dieses Bereiches. Er stellt sich auch selbst ausführlich, vor, nicht zuletzt, um seine unzweifelhafte Kompetenz im Themengebiet nachzuweisen. Kapitel 2 zum Hirntodkonzept enthält notwendigerweise viel Bekanntes, daneben aber besonders interessante Betrachtungen, z. B. zum kardiozentrischen versus enzephalozentrischen Menschenbild, zum Hirntod in der Schwangerschaft und zu Sprachbarrieren mit Beispielen für „unglückliche Formulierungen“, „absurde Bezeichnungen“ und Übersetzungsproblemen. In diesem Kapitel begründet der Autor, vielleicht etwas überpointiert, die Rolle der Neurochirurgie in der Hirntodthematik, die aus Sicht und aus Erfahrung des Rezensenten aber keinesfalls den Neurochirurgen und Anästhesisten alleine überlassen werden darf. Kapitel 3 zur Feststellung des Hirntodes ist vollständig inklusive der Zusatzdiagnostik, aktuell und gut verständlich. In Kapitel 4 zur Situation nach Feststellung des Hirntodes finden sich wertvolle und wichtige Überlegungen zum Angehörigengespräch, zur Kritik am Hirntodkonzept, zur weltanschaulichen Komponente und, hochinteressant, zur internationalen Einordnung. Die beiden letzten Kapitel, Kapitel 5 zum Aspekt „Aufgabe unserer Generation“ und Kapitel 6 zu einer Ansprache von Pabst Pius XII. 1957 in Rom als Antwort auf eine ärztliche Anfrage zeigen, dass der Autor sich der Komplexität des Themas voll bewusst ist und es selbst über die rein biologischen bzw. medizinischen Apekte hinaus intensiv reflektiert hat. Die Aufmachung des Buches inklusive der Bebilderung ist ausgezeichnet, das Literaturverzeichnis ist umfassend, das Sachverzeichnis sehr hilfreich zum Nachschauen. Dies ist ein sehr geglücktes Buch, das allen neuro- und intensivmedizinisch Tätigen empfohlen werden kann genauso wie sonst am Thema besonders Interessierten.

Reinhard Dengler, Hannover