TumorDiagnostik & Therapie 2016; 37(02): 73-76
DOI: 10.1055/s-0042-100922
Schwerpunkt: Lungenkarzinome
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Übersicht – Prognostische und prädiktive Parameter beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom

S. Gütz
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Publication Date:
18 March 2016 (online)

Sowohl die Ergebnisse einer adjuvanten Therapie als auch die Wirksamkeit von Strahlen- und systemischer Therapie differieren beim komplett resezierten nichtkleinzelligen Lungenkarzinom in den lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadien erheblich. Prognostische und prädiktive Parameter können helfen, den Nutzen einer Therapie abzuschätzen.

Prognostische Tumorparameter sind Patienten- oder Tumorcharakteristika, die den Verlauf einer Tumorerkrankung, respektive das Überleben, vorhersagen können – unabhängig von der Therapie. Das Ziel der Identifikation prognostischer Marker besteht darin, Patientenpopulationen mit signifikant unterschiedlich zu erwartendem Verlauf zu definieren, um über Notwendigkeit und Umfang einer Therapie entscheiden zu können. In den frühen Stadien des nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms beispielsweise benötigen Patienten mit einer guten Prognose nach kompletter Resektion keine adjuvante, mit Nebenwirkungen behaftete, Therapie. Prognostisch schlechte Patienten profitieren dagegen von einer zusätzlichen Chemotherapie. Darüber hinaus können prognostische Marker auch potenzielle Treiber der Tumorprogression sein und als therapeutische Ziele genutzt werden.

Bei prädiktiven Tumorparametern handelt es sich um Patienten- oder Tumorcharakteristika, anhand derer sich der Nutzen einer spezifischen Therapie vorhersagen lässt. In Abhängigkeit von der An- oder Abwesenheit eines prädiktiven Markers z. B. einer Mutation ist mit signifikanten Unterschieden von Tumoransprechen oder Überleben zwischen behandelten und nicht behandelten Patienten zu rechnen. Dagegen ist nicht zu erwarten, dass der Effekt einer Behandlung zwischen Patientengruppen differiert, die sich nur durch einen prognostischen Marker unterscheiden.

Die Validierung prognostischer Parameter kann durch Auswertung retrospektiver Daten erfolgen, während prädiktive Marker in kontrollierten klinischen Studien validiert werden sollten, in denen der Effekt des Markers sowohl in der Behandlungs- als auch der Placebogruppe geprüft wird.