Sportverletz Sportschaden 2016; 30(02): 90-94
DOI: 10.1055/s-0042-100954
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prädiktoren der durchschnittlichen Laufgeschwindigkeiten im Orientierungslauf: Die Anzahl der Posten ist entscheidend

Predictors of Average Speed in Orienteering: The Number of Controls is Crucial
B. A. Gasser
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Publication Date:
25 April 2016 (online)

Zusammenfassung

Das Ziel dieser Studie war es, die Unterschiede zwischen den Leistungskilometerschnitten der Wettkampfformen Sprint, klassischer Einzellauf und Jagdstart im Orientierungslaufen zu vergleichen respektive Begründungsfaktoren unterschiedlicher Leistungskilometerschnitte zu identifizieren. Dabei zeigte sich, dass mit zunehmender Streckenlänge eher gegensätzlich zu klassischen Laufdisziplinen die durchschnittliche Geschwindigkeit abnahm, was auf die technischen Anforderungen respektive die Anzahl anzulaufender Posten zurückzuführen zu sein scheint, welche mit zunehmender Streckenlänge proportional abnahmen. Die Analysen verdeutlichen die Wichtigkeit der Postenraumarbeit für die optimale Ausschöpfung des Leistungspotenzials eines Orientierungsläufers, scheint doch in diesen Abschnitten des Laufes sehr viel Optimierungspotenzial hinsichtlich der Laufzeiten zu liegen. Die grundsätzliche, aufgrund von physischen Restriktionen notwendige, Spezialisierung auf eine Wettkampfdistanz wie in den klassischen Laufdisziplinen scheint aufgrund der Befunde im Orientierungslaufen nur beschränkt notwendig zu sein, wobei bei einer gleichwohl gewählten Priorisierung des Trainings, beispielsweise im Spitzenbereich in Analogie zum 5000 Meter Lauf, das Training des Sprints respektive des Halbmarathonlaufs bei der klassischen Distanz strukturiert und gestaltet werden sollte. Läuferinnen und Läufer mit der Priorisierung des Sprints sollten vermehrt Trainings im Bereich der Laktattoleranz respektive Grundschnelligkeit absolvieren, währendessen für Läuferinnen und Läufer mit Priorität des Einzellaufes vor allem Trainings der Grundlagenausdauer, aber auch das Schwellentraining im Vordergrund stehen sollten. Mit Nachdruck ist jedoch auf die Relevanz des kognitiv kartentechnischen Elements insbesondere im Postenraum zu verweisen, wobei empfohlen wird, dieses Element in Trainings unabhängig vom physischen Ausgangsniveau zur Optimierung des Leistungspotenzials gezielt zu schulen.

Abstract

The aim of this study was to compare differences in average speed in the three competition forms orienteering sprint, long distance and hunt start, and to identify reasons for speed differences. In contrast to classic running disciplines, average speed increased with longer distances, which is probably due to technical requirements or the number of controls, which decreased proportionally with longer distances. These analyses emphasise the importance of map-reading in the area of controls since these parts of the races seem to bear a great deal of potential to optimize running times, thereby enabling runners to achieve their maximum performance levels. Based on these findings, the principal of focusing training on one distance due to biological constraints is less important in orienteering than it is in running disciplines. However, if runners do choose to focus on a certain speed, e. g. in the case of elite runners, analogous to 5-km runs, the training of sprints or half-marathons for the classic distance should be structured and organised. Runners prioritising sprint should therefore focus on lactate tolerance or speed work in training whereas runners prioritising classic distance should put emphasis on basic endurance and threshold training. To sum up, this study highlights the relevance of cognitive-technical skills in the control area of races. These elements should constantly be trained by orienteers, independently of physical constraints, in order for them to realise their full potential in races.