Gastroenterologie up2date 2016; 12(01): 23-35
DOI: 10.1055/s-0042-103256
Ösophagus/Magen/Duodenum
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Diagnostik und Therapie der Plattenepithel- und Adenokarzinome des Ösophagus nach Leitlinie

Rainer Porschen
,
Arnulf Hölscher
,
Wolfgang Fischbach
,
Stephan Hollerbach
,
Udo Vanhoefer
Further Information

Publication History

Publication Date:
18 March 2016 (online)

Kernaussagen

Epidemiologie und Histologie

  • Weltweit betrachtet ist das Ösophaguskarzinom die achthäufigste Tumorerkrankung. Die beiden großen histologischen Untergruppen sind das Plattenepithelkarzinom (mit Abstand die größte Gruppe) und das Adenokarzinom.

  • Die wichtigsten Risikofaktoren des Plattenepithelkarzinoms sind Rauchen und Alkoholabusus, während der Barrett-Ösophagus und gastroösophagealer Reflux die Hauptrisiken für die Entwicklung eines Adenokarzinoms darstellen.

Diagnostik und Staging

  • Bei der Primärdiagnostik stehen die endoskopischen Verfahren (ggf. einschließlich Chromoendoskopie) mit Biopsieentnahmen für die pathohistologische Diagnostik im Mittelpunkt.

  • Ein subtil durchgeführtes Staging (Sonografie, EUS, Hals-/Thorax-/Abdomen-CT, ggf. Bronchoskopie und Laparoskopie) einschließlich funktionellen Untersuchungen zur Evaluation der Operabilität (Echokardiografie, Lungenfunktion) ist Voraussetzung für die Therapieplanung.

Therapie

  • Therapieempfehlungen sollten stets von einer interdisziplinär besetzten Tumorkonferenz ausgesprochen werden und sich nach den Ergebnissen des Stagings, den Komorbiditäten, dem Ernährungszustand und den Präferenzen des Patienten richten.

  • Die endoskopische Resektion ist die Therapie der Wahl bei hochgradiger Dysplasie und beim mukosalen Frühkarzinom in einer Barrett-Schleimhaut.

  • Insbesondere bei lokoregional fortgeschrittenen Karzinomen verbessern multimodale Therapieansätze die Therapieergebnisse gegenüber der alleinigen Operation.

  • Beim lokoregional fortgeschrittenen Adenokarzinom des gastroösophagealen Übergangs und des distalen Ösophagus soll neoadjuvant eine perioperative Chemotherapie oder eine präoperative Radiochemotherapie zum Einsatz kommen.

  • Bei operablen Patienten mit lokoregional fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom soll eine multimodale Therapie mit präoperativer Radiochemotherapie durchgeführt werden. Bei funktioneller Inoperabilität stellt die definitive Radiochemotherapie eine Alternative zur Resektion dar.

  • In der palliativen Therapie hat die endoskopische Stentimplantation zur Therapie des Leitsymptoms Dysphagie den höchsten Stellenwert.