Laryngorhinootologie 2016; 95(12): 849-850
DOI: 10.1055/s-0042-111511
Der interessante Fall
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Unklarer enoraler Tumor bei Säugling

Infant Oral Tumor
A. I. Giotakis
1  Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universitat Innsbruck, Innsbruck, Austria
,
B. Bender
1  Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universitat Innsbruck, Innsbruck, Austria
,
C. Pototschnig
1  Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universitat Innsbruck, Innsbruck, Austria
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Publication Date:
10 November 2016 (online)

Falldarstellung

Wir berichten von einem 7 Monate alten Kind, das sich in unserer Ambulanz mit einem enoralen Tumor präsentierte. Das Kind wurde 4 Tage vorher durch den Hausarzt wegen einer enoralen Blutung nach Verletzung mit einer Zahnbürste untersucht. Hierbei wurde ein Schleimhautriss der Wangenschleimhaut diagnostiziert. Der Hausarzt empfahl ein konservatives Vorgehen und eine HNO-ärztliche Kontrolle nach 3 Tagen. Der Säugling war ansonsten gesund und in einem guten Allgemeinzustand.

Die HNO-Untersuchung in unserer Ambulanz zeigte einen Tumor in der Mundhöhle. Zur besseren Exploration entschied man sich für eine Untersuchung in Allgemeinnarkose. Die Mundhöhleninspektion zeigte einen solitären, teils rötlichen, teils bläulich-livid verfärbten, exophytischen, weichen Tumor mit Ursprung von der rechten Wangenschleimhaut kaudal des Stenon-Ganges ([Abb. 1]). Differenzialdiagnostisch kamen pyogenes Granulom, Fibrom, Pseudotumor, Fremdkörpergranulom, traumatisches Neurom, Lipom, Hämangioendotheliom, Liposarkom oder Speicheldrüsentumor in Frage.

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Abb. 1 Solitärer, teils rötlicher, teils bläulich-livid verfärbter, exophytischer Tumor mit Ursprung von der rechten Wangenschleimhaut kaudal des Stenon-Ganges.

In Zusammenhang mit der Anamnese und dem klinischen Bild wurde die Verdachtsdiagnose einer traumatischen Herniation des Corpus adiposum buccae (Bichat’scher Fettkörper) gestellt. Der nekrotische Anteil des Tumors wurde mit einer Schere reseziert ([Abb. 2]) und der vitale Rest in die Wangenschleimhaut repositioniert ([Abb. 3]). Ein primärer Wundverschluss wurde mittels 3-0 Vicryl durchgeführt ([Abb. 4]). Histologisch zeigte sich ein Exzisat aufgebaut aus univakuolärem Fettgewebe zum Teil nekrotisch, zum Teil von bindegewebigen Septen durchzogen, diese zeigten ein dicht granulozytär infiltriertes Infiltrat das sekundär auf Gefäße überging. Bei den Entzündungszellen dominierten neutrophile Granulozyten. Kein Hinweis für Malignität. Somit wurde die o. g. Diagnose bestätigt.

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Abb. 2 Z. n. Resektion des nekrotischen Teils des Tumors.
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Abb. 3 Z. n. Reposition des vitalen Restes in die Wange.
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Abb. 4 Z. n. primärem Verschluss mittels 3-0 Vicryl Naht.

Postoperativ wurde eine antibiotische Behandlung mittels Amoxicillin/Clavulansäure für 5 Tage angeordnet. In der Nachsorge konnte keine kosmetische Malformation der Wange festgestellt werden.