Frauenheilkunde up2date 2016; 10(04): 287-306
DOI: 10.1055/s-0042-112623
Allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Leit- und richtlinienkonforme Mammadiagnostik in Früherkennung, Abklärung und Nachsorge

Uwe Fischer
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Publication Date:
19 August 2016 (online)

Kernaussagen
  • Etablierte diagnostische Verfahren in der Mammadiagnostik sind Mammografie, Sonografie und MRT. Der Stellenwert von 2-D-Tomosynthese, Kontrastmittel-Spektralmammografie und Brust-CT wird derzeit evaluiert. Die Mamma-MRT ist dabei allen anderen bildgebenden Verfahren sowohl im Nachweis invasiver, aber auch intraduktaler Tumorformen deutlich überlegen.

  • In der Früherkennung eines Mammakarzinoms wird zwischen einer intensivierten Früherkennung (bei Frauen mit definiertem Hochrisikoprofil, Tab. [1]), einem flächendeckenden populationsbezogenen Mammografie-Screening und einer individuellen und risikoadaptierten Früherkennung unterschieden. Die individuelle und risikoadaptierte Früherkennung ermöglicht es, mehr Mammakarzinome nachzuweisen und dies zudem in früheren Stadien. Sie verursacht allerdings auch höhere Kosten als übliche Mammografie-Screening-Programme.

  • In der Abklärungsdiagnostik (Bildgebung bei Frauen mit einem auf Brustkrebs hinweisenden Symptom) gelten die folgenden Symptome als mögliche Symptome eines Mammakarzinoms und sind daher abklärungsbedürftig: unklarer, suspekter Tastbefund, lokaler Schmerz, Retraktion, non-puerperale Entzündung, pagetoide Veränderungen der Brustwarze, pathologische Sekretion.

  • In der sog. Nachsorge wird prinzipiell unterschieden zwischen Patientinnen mit brusterhaltender Therapie (BET) und solchen, die primär mastektomiert wurden. Bei Patientinnen mit BET ist das frühzeitige Erkennen eines lokoregionären oder intramammären Rezidivs von großer Bedeutung, weil die meisten Patientinnen kurativ behandelt werden können.

  • Für die Befunderstellung sind prinzipiell neben den persönlichen Daten die Ergebnisse der klinischen und bildgebenden Untersuchungen (BI-RADS-Kategorisierung für jedes Einzelverfahren) und die zusammenfassende Beurteilung aller Untersuchungsverfahren (Gesamt-BI-RADS) aufzuführen. Für die Beurteilung, wie zuverlässig der jeweilige Befund ist, ist die Angabe des Gewebedichtetyps bei Mammografie und Sonografie und des Hintergrund-Enhancements bei der Mamma-MRT sinnvoll. Eine Empfehlung zur weiteren Vorgehensweise ist ebenso Bestandteil des Befundberichts.

  • Zur perkutanen Gewebeentnahme kommen die Stanz- und die Vakuumbiopsie zum Einsatz. Ultraschallbefunde werden bevorzugt durch Stanzbiopsie, Verkalkungen im Mammogramm und auffällige Befunde in der MRT bevorzugt mit der Vakuumbiopsie abgeklärt. Die Feinnadelpunktion wurde inzwischen fast vollständig verlassen.