Diabetologie und Stoffwechsel 2016; 11(S 02): S136-S149
DOI: 10.1055/s-0042-113783
DDG Praxisempfehlung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Psychosoziales und Diabetes

B. Kulzer
1   Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim, Forschungsinstitut der Diabetes Akademie (FIDAM), Mergentheim
,
C. Albus
2   Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Universität Köln
,
S. Herpertz
3   Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
,
J. Kruse
4   Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Justus-Liebig-Universität Gießen und Philipps-Universität Marburg
,
K. Lange
5   Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie, Medizinische Hochschule, Hannover
,
F. Lederbogen
6   Zentralinstitut für seelische Gesundheit, Mannheim
,
F. Petrak
3   Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
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Publication Date:
20 October 2016 (online)

Einleitung

Für die Therapie und langfristige Prognose von Menschen mit Diabetes mellitus sind somatische und psychosoziale Faktoren gleichermaßen wichtig. Bei der Diabetestherapie kommt dem Patienten die entscheidende Rolle zu, da dieser die wesentlichen Therapiemaßnahmen des Diabetes in seinem persönlichen Alltag dauerhaft und eigenverantwortlich umsetzen muss. Die Prognose von Betroffenen des Diabetes hängt daher zu einem großen Teil davon ab, inwieweit ihnen dies vor dem Hintergrund ihres sozialen, kulturellen, familiären und beruflichen Umfeldes gelingt. Folgende psychosoziale Faktoren sind dabei von zentraler Bedeutung:

  • Erwerb von Wissen und Fertigkeiten zur Selbstbehandlung und deren Umsetzung im Alltag;

  • emotionale und kognitive Akzeptanz des Diabetes;

  • Bewältigung des Diabetes und seiner möglichen Konsequenzen in allen betroffenen Lebensbereichen und verschiedenen Krankheitsstadien (z. B. diabetesspezifische Belastungen, Akut- und Folgekomplikationen);

  • Identifikation und Modifikation von Verhaltensweisen, die einer erfolgreichen Selbstbehandlung entgegenstehen;

  • erfolgreicher Umgang mit Krisen und/oder Problemen im Zusammenhang mit der Erkrankung (z. B. psychische Probleme wie Depressionen, Ängste, Essstörungen).

Die vorliegenden Empfehlungen zu psychosozialen Interventionen bei Diabetes mellitus beziehen sich nur auf erwachsene Patienten. Die wichtigen Gebiete „Sozialrechtliche Konsequenzen des Diabetes“ (z. B. Beruf, Führerschein, Schwerbehindertengesetz) oder „Diabetes und Migranten“ werden in dieser Leitlinie nicht behandelt.