Inf Orthod Kieferorthop 2016; 48(03): 151-158
DOI: 10.1055/s-0042-116561
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Was ist die beste Position für die Insertion von Gaumenimplantaten? Eine DVT Studie zum Knochenvolumen im Wachstumsalter[*]

What is the Best Position for Palatal Implants? A CBCT Study on Bone Volume in the Growing MaxillaD. Kawa1, M. Kunkel1, a, L. Heuser2, B. A. Jung3, a
  • 1Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Ruhr-Universität Bochum, Bochum
  • 2Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmediz, Ruhr-Universität Bochum, Bochum
  • 3Klinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Further Information

Publication History

Publication Date:
17 October 2016 (online)

Zusammenfassung

Zielsetzung: Vor dem Hintergrund der chirurgischen Insertion von Gaumenimplantaten im Kindes- und Jugendalter soll folgendes geprüft werden: (a) Wie hoch ist das potenzielle Risiko für die Verletzung benachbarter anatomischer Strukturen (Knochenhöhe, Nähe zum Nervus nasopalatinus und den Zahnwurzeln), (b) Ist die bisherige Empfehlung für Gaumenimplantate, chirurgische Insertion auf Höhe der ersten Prämolaren, aus heutiger Sicht noch gerechtfertigt, (c) Gibt es für den vom Hersteller etablierten strikten „Cut-off“-Wert „Altersgrenze 12 Jahre“ aus heutiger Sicht eine wachstumsbedingte anatomische Rationale?

Patienten und Methoden: Analysiert wurden retrospektiv die DVT Aufnahmen von insgesamt 100 Patienten im Alter zwischen 10 und 20 Jahren, die aufgrund von Unfallverletzungen aufgenommen wurden. Die vertikale Knochenhöhe in der Median-Sagittal-Ebene sowie 3 und 6 mm paramedian wurden entlang der prospektiven Implantationsrichtung auf Höhe der ersten oberen Prämolaren (Level 0), 3 mm anterior (Level 1) und 3 mm posterior (Level 2) analysiert. Der Mann-Whitney U-Test für unverbundene Stichproben wurde für den Vergleich der durchschnittlichen vertikalen Knochenhöhen zwischen den Geschlechtergruppen angegeben.

Ergebnisse: Das Risiko für eine Schädigung des Nerus nasopalatinus war im Bereich der Median-Sagittal-Ebene auf Level 1 am höchsten (46%). Das geringste Risiko bestand auf Level 0 (empfohlener Insertionsort; 3%) und Level 2 (0%), sowie paramedian auf Level 0 und 2. Das Risiko für eine potenzielle Schädigung der Zahnwurzeln war für die mediane Insertion für alle untersuchten Ebenen irrelevant. Die einzige kritische Region bestand 6mm paramedian auf Level 1.

Schlussfolgerungen: Die bisherige Empfehlung, Gaumenimplantate auf Höhe der ersten oberen Prämolaren zu inserieren, ist immer noch gerechtfertigt. Allerdings, eine mehr posteriore Implantatpositionierung kann die Sicherheit zur Vermeidung einer Nervläsion zusätzlich erhöhen. Im Zusammenhang mit der Frage der Altersbegrenzung ließen sich keine relevanten Wachstumsveränderungen in Bezug auf das mediane vertikale Knochenangebot finden. Für den vom Hersteller zugrunde gelegten „Cut-off“-Wert „Altersgrenze 12 Jahre“ ließen sich daher für eine typische mediane Insertion von Gaumenimplantaten keine anatomisch nachvollziehbaren Gründe finden.

Abstract

Objective: (a) To investigate limitations (bone height, proximity to nasopalatine nerve and roots) in juvenile patients, (b) to review the recommended site for surgical insertion (level of the maxillary first premolars) and, (c) to reassess the rationale behind the manufacturer’s age limitation (12 years).

Patients and Methods: Cone Beam CT images of 100 patients aged 10–20 years were analyzed. Vertical bone heights were measured in the median plane as well as 3 and 6 mm paramedian along the prospective axis of insertion, at the level of the first premolars (level 0), 3 mm anterior (level 1) and 3 mm posterior (level 2). The Mann-Whitney U-test was used to compare bone heights between gender groups.

Results: The risk of damage to the nasopalatine nerve is highest in the median region on level 1 (46%). The risk was lowest in the midsagittal region on level 0 (recommended insertion site; 3%) and level 2 (0%), as well as paramedian on levels 0 and 2. The risk of damaging roots was irrelevant for median insertion at all levels; the only critical region was 6 mm paramedian on level 1.

Conclusions: The recommendation of surgical insertion at the level of the maxillary first premolars is still justified, but a slightly more posterior implant position might improve safety. We found no relevant growth-related changes in the vertical bone heights in the median palatal area. Thus, our data do not support the strict 12-years age restriction for palatal implants.

* Dieser Artikel ist im englischen Original erschienen in: Clin Oral Invest (2016). doi:10.1007/s00784-016-1913-1


a haben zu gleichen Teilen zu der Veröffentlichung beigetragen und teilen daher die federführende Autorenschaft