Notfallmedizin up2date 2017; 12(01): 7-14
DOI: 10.1055/s-0042-116669
Schritt für Schritt
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Invasive Blutdruckmessung – Schritt für Schritt

Jürgen Knapp
,
Michael Grabowski
,
Lorenz Weidhase
,
Michael Bernhard
Further Information

Publication History

Publication Date:
27 March 2017 (online)

Ziel und Zweck der Methode

Die invasive Blutdruckmessung („Arterie“, „blutige Blutdruckmessung“) dient bei kritisch kranken oder schwerverletzten Patienten einem kontinuierlichen hämodynamischen Monitoring. Des Weiteren ermöglicht sie wiederholte arterielle Blutabnahmen bzw. die Anfertigung von Blutgasanalysen. Voraussetzung ist ein Gefäßzugang zum arteriellen System, der überwiegend durch Punktion einer palpablen Arterie geschaffen wird. Über ein mit physiologischer Kochsalzlösung gespültes Schlauchsystem wird dann eine Verbindung zwischen Gefäßlumen und einem Messwandler (Transducer) hergestellt, der den Druck im Flüssigkeitssystem in ein elektronisch messbares Signal überführt. Dieses ermöglicht das Darstellen des systolischen, diastolischen und mittleren arteriellen Drucks sowie die Visualisierung der arteriellen Druckkurve auf einem Monitor. Die invasive Blutdruckmessung ist der Goldstandard für eine präzise Blutdruckmessung und ermöglicht eine Analyse „Schlag für Schlag“. Der Notfallmediziner wird mit einer invasiven Blutdruckmessung in seltenen Fällen im Rahmen des prähospitalen Primäreinsatzes, häufiger bei Sekundäreinsätzen (Sekundärverlegungen/Intensivtransport) und am häufigsten in der Zentralen Notaufnahme konfrontiert.

Zum Etablieren einer intraarteriellen Kanüle stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung ([Abb. 1]):

  • Seldinger-Technik

  • Venenverweilkanülen (mit Stahlinnenmandrin)

  • andere kommerzielle Punktionssysteme (z. B. Floswitch®)

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Abb. 1  Verschiedene Punktionssysteme für die Anlage einer invasiven Blutdruckmessung. a Seldinger-System, b Floswitch®-System. Quelle: PD Dr. J. Knapp.

Das Seldinger-Verfahren bietet sich insbesondere bei schlecht palpablen oder schlecht gefüllten Radialarterien bzw. bei geknickten Arterienverläufen oder schweren arteriosklerotischen Veränderungen an, bei denen das Einbringen des arteriellen Katheters über den Seldinger-Draht als Führungsschiene häufig besser gelingt.

Übliche Anlagelokalisationen sind die Arteriae (Aa.) radiales und Aa. femorales [1]. Jedoch sind auch Katheteranlagen in die Aa. brachiales, Aa. axillares, Aa. dorsales pedes und Aa. tibiales posteriores beschrieben [1], diese sind in Notfallsituationen vordergründig aber nicht zu empfehlen (Reservepunktionsstellen). Im Rahmen eines Schockgeschehens oder einer hochdosierten Katecholamintherapie kann es zu Abweichungen der in einer radialen Arterie im Vergleich zu in einer femoralen Arterie gemessenen Drücke kommen, wobei die radiale Messung den zentralen Perfusionsdruck unterschätzt [2], [3]. Im folgenden Beitrag wird nun exemplarisch auf die Katheteranlage in der Arteria (A.) radialis eingegangen.

Als unterstützende Verfahren bei der „Arterienanlage“ kann neben der Palpation des Arterienverlaufs auch der Gefäßdoppler und/oder die Sonografie eingesetzt werden und die Erfolgsrate erhöhen [4], [5]. Zu beachten ist, dass bei Patienten, die nach initialer Versorgung einer Herzkatheteruntersuchung unterzogen werden, primär die A. radialis sinistra oder die A. femoralis sinistra unter Schonung der rechten Seite punktiert werden sollte, da Katheterinterventionen häufig über die A. femoralis dextra und zunehmend über die A. radialis dextra erfolgen.