Gastroenterologie up2date 2016; 12(04): 305-317
DOI: 10.1055/s-0042-117561
Darm/Anorektum
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Divertikulose und Divertikelkrankheit – Update 2016

Ludger Leifeld
,
Christoph-Thomas Germer
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Publication History

Publication Date:
22 December 2016 (online)

Kernaussagen

Epidemiologie und Diagnostik

  • Die Kolondivertikulose ist eine der häufigsten Darmerkrankungen. Die Prävalenz nimmt mit steigendem Alter zu.

  • Risikofaktoren für die Divertikulose sind ballaststoffarme Kost, der vermehrte Verzehr von rotem Fleisch sowie mangelnde körperliche Aktivität.

  • Ca. 75 % der Divertikelträger bleiben lebenslang asymptomatisch. Die Divertikulitis ist die häufigste Komplikation der Divertikulose.

  • Die Diagnostik bei Verdacht auf akute Divertikulitis umfasst neben klinischer Untersuchung und Laborchemie die Bildgebung (insbesondere Ultraschall und CT). Ziel der Initialdiagnostik ist die Sicherung der Diagnose sowie die Stadieneinteilung der Divertikulitis.

  • Anhand bildgebender Verfahren wird zwischen akuter unkomplizierter Divertikulitis (Typ 1) und akuter komplizierter Divertikulitis (Typ 2a – c), der chronischen Divertikelkrankheit (Typ 3a – c) sowie der Divertikelblutung (Typ 4) unterschieden.

Therapie

  • Die Therapie der akuten Divertikulitis erfolgt stadienadaptiert: beim Typ 1 konservativ, beim Typ 2a und b zunächst konservativ und in Abhängigkeit vom Ansprechen auf die konservative Behandlung früh operativ oder ggf. nach Ausheilung elektiv operativ, beim Typ 2c notfallmäßig operativ.

  • Die chronische Divertikulitis mit strukturellen Veränderungen wie Stenosen oder Fisteln (Typ 3c) wird operativ behandelt.

  • Nach konservativer Therapie eines akuten Divertikulitisschubes besteht ein relativ hohes Rezidivrisiko (ca. 10 – 30 %). Divertikulitisrezidive werden in der Regel wie der erste Schub behandelt. Die Operationsindikation nach Divertikulitisrezidiv erfolgt individuell unter Berücksichtigung des Divertikulitisstadiums und patientenspezifischer Faktoren.

  • Zur Rezidivprophylaxe nach akuter Divertikulitis wird in der Regel eine ballaststoffreiche Kost mit dem Ziel der Vermeidung der Obstipation empfohlen, obwohl diesbezüglich keine evidenzbasierten Daten vorliegen.