PSYCH up2date 2017; 11(01): 51-65
DOI: 10.1055/s-0042-118429
Schizophrenien, schizophreniforme und wahnhafte Störungen
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sporttherapie bei Schizophrenie

Katriona Keller-Varady
,
Peter Falkai
,
Berend Malchow
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Publication Date:
17 January 2017 (online)

Patienten mit einer Schizophrenie führen oft einen ungesunden Lebensstil und bewegen sich körperlich zu wenig – mit der möglichen Folge von somatischen Komorbiditäten. Hier kann die Sporttherapie helfen – v. a. Ausdauertraining steigerte die körperliche Fitness und Lebensqualität, reduzierte die Symptomschwere und verbesserte das Kognitionsniveau.

Kernaussagen
  • Die Schizophrenie ist eine schwere Erkrankung, bei der sich oft die Negativsymptomatik und die kognitiven Defizite nur unzureichend bessern lassen.

  • Schizophrene Patienten führen häufig einen ungesunden Lebensstil und bewegen sich körperlich zu wenig. Diese Risikofaktoren für z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind aber modifizierbar.

  • Zielgerichtete, individualisierte Sporttherapie könnte hier als zusätzliche therapeutische Option im Gesamtbehandlungsplan wirksam sein. Training als Therapie kann dazu beitragen, spezifische Störungen zu kompensieren oder ihnen entgegenzuwirken. Zusätzlich fördert sie allgemein die Gesundheit.

  • Training ist durch Zielgerichtetheit, Planmäßigkeit und Systematik gekennzeichnet und kann therapeutische Wirkung entfalten, wenn es sinnvoll auf die Charakteristika der Zielgruppe abgestimmt ist. Die Trainingsprogramme sollten sich an allgemeinen trainingswissenschaftlichen Grundsätzen orientieren und speziell auf die psychische Erkrankung und individuell auf den Teilnehmer zugeschnitten sein.

  • Der Planung und Anpassung der Belastung anhand der Größen Belastungsintensität, Dauer, Häufigkeit, Umfang und Belastungsdichte kommt zur Erreichung von Therapiezielen und Vermeidung von Fehl-/Überbelastungen eine große Bedeutung zu.

  • Die Sport- oder Trainingswissenschaft hält ein breites Repertoire an Trainingsinhalten, -methoden und -mittel bereit, die in der Therapie unter Beachtung der jeweiligen Kontraindikationen angewendet werden können.

  • Bei der Erkrankung Schizophrenie finden vorwiegend Ausdauertrainingsmethoden Einsatz.

  • Studien und Metaanalysen zeigten die Wirksamkeit von Ausdauertraining bei Patienten mit Schizophrenie u. a. mit einer Verbesserung des globalen Kognitionsniveaus, der Symptomschwere und der Lebensqualität sowie der körperlichen Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

  • Es konnten ebenfalls positive Effekte von Yoga gezeigt werden.

  • Isoliertes Krafttraining ist wenig untersucht worden; in einer randomisierten Studie zeigte sich hier aber neben Verbesserungen der Muskelkraft auch eine Minderung der Symptomschwere.