Kardiologie up2date 2016; 12(04): 375-393
DOI: 10.1055/s-0042-120569
Diagnostische Verfahren und Bildgebung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Abklärung, Bildgebung und Differenzialdiagnose bei Myokarditis[*]

J. A. Luetkens
,
C. P. Nähle
,
J. Dörner
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Publication Date:
22 December 2016 (online)

Abstract

Myocarditis represents an important cause in the aetiology of dilative cardiomyopathy and pathogenesis of sudden cardiac death. It frequently results from cardiotropic viral infection followed by inflammatory myocardial destruction. Endomyocardial biopsy is still considered the gold standard in diagnosing myocarditis. During clinical work-up, however, diagnosis is often presumed depending on clinical presentation and non-invasive diagnostic test results. In this regard, cardiac magnetic resonance is particularly important as it offers various techniques to detect inflammatory alterations of the myocardium.

Kernaussagen
  • Die Myokarditis ist definiert als histologisch, immunologisch oder immunhistochemisch nachgewiesene entzündliche Erkrankung des Myokards. Entzündlichen myokardialen Veränderungen können verschiedenste infektiöse und nicht infektiöse Ursachen zugrunde liegen. Das klinische Bild der Myokarditis ist sehr heterogen und umfasst auch schwere, akute Krankheitsbilder, die z. B. vom akuten Koronarsyndrom bis hin zum kardiogenen Schock reichen können.

  • Die endomyokardiale Biopsie gilt nach wie vor als der Goldstandard zur Diagnosesicherung, wird jedoch nur noch selten durchgeführt. Im Rahmen der Biopsie kann es durch den sog. „Sampling Error“ zu falsch negativen Befunden kommen.

  • Erweiterte Diagnosekriterien berücksichtigen neben den klinischen Symptomen (z. B. Fieber, Abgeschlagenheit, Thoraxschmerzen und Palpitation) auch die Ergebnisse laborchemischer und bildgebender Verfahren (wie z. B. die Echokardiografie und die Koronarangiografie). Die kardiale MRT nimmt hierbei eine Sonderstellung ein, da sie es als einziges Verfahren ermöglicht, direkt entzündliche Myokardveränderungen zu visualisieren. Im Rahmen der klinischen Routine kommt die kardiale MRT daher immer häufiger zur Myokarditisabklärung zum Einsatz.

  • In der kardialen MRT dienen die Lake-Louise-Kriterien der Gewebecharakterisierung (Myokardödem, myokardiale Hyperämie und Nekrose/Narbe) und damit als Hinweis auf eine Myokarditis. Sind mindestens 2 der 3 Kriterien erfüllt, spricht dies – bei entsprechender Klinik des Patienten – für eine Myokarditis. Ist nur 1 Kriterium erfüllt oder besteht bei gänzlich fehlenden Lake-Louise-Kriterien der starke klinische Verdacht auf eine Myokarditis, sollte die Bildgebung innerhalb von 1 – 2 Wochen wiederholt werden. Mögliche supportive Kriterien sind eine regionale oder globale systolische Funktionsstörung und ein Perikarderguss.

  • Eine Implementierung von T1- und T2-Mapping-Techniken erhöht die diagnostische Wertigkeit der kardialen MRT. Die diagnostische Aussagekraft der myokardialen Relaxationszeiten ist dabei vergleichbar mit der Aussagekraft der klassischen Lake-Louise-Kriterien.

* Aktualisierte Fassung von Luetkens JA, Nähle CP, Dörner J. Abklärung, Bildgebung und Differenzialdiagnose bei Myokarditis. Radiologie up2date 2016; 16: 55-73