PSYCH up2date 2017; 11(05): 393-406
DOI: 10.1055/s-0042-120570
Störungen durch psychotrope Substanzen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Methamphetamin-bezogene Störungen: Diagnostik und Therapie

Sascha Milin, Ingo Schäfer
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Publication Date:
13 September 2017 (online)

In den letzten Jahren nahmen in Deutschland psychische und Verhaltensstörungen durch Methamphetamin – Crystal Meth – stark zu. Hiervon betroffen sind vor allem Bundesländer nahe der Grenze zur Tschechischen Republik. Auch überregional steigt die Bedeutung der Droge, vor allem in speziellen sexzentrierten Szenen. Der Artikel vermittelt Kenntnisse zu Methamphetamin, den damit verbundenen Störungen und liefert aktuelle, auf den Leitlinien basierende Empfehlungen für die Diagnostik und die Behandlung.

Kernaussagen
  • Methamphetamin-bezogene Störungen sind in einigen Regionen im Bereich der illegalen Drogen stark verbreitet und stellen eine erhebliche Herausforderung für die medizinische Versorgung dar. Bezüglich des Hilfebedarfes ist die Methamphetamin-Abhängigkeit mit der Heroinabhängigkeit vergleichbar.

  • Die Substanz wird aus vielfältigen Motiven heraus von unterschiedlichen Personengruppen konsumiert. Die Bezeichnung Partydroge ist irreführend, da der Konsum im Freizeitbereich eher einen Einstiegskontext darstellt.

  • Bei längerfristigem Konsum muss mit vielfältigen Konsumfolgen gerechnet werden. Neben einem weiten Spektrum von psychischen Störungen besteht insbesondere das Risiko von degenerativen Prozessen im ZNS und von kardiopulmonalen Schädigungen.

  • Abhängigen Patienten sollte ein qualifizierter Entzug (mind. 3 Wochen) im stationären Setting angeboten werden. Im Anschluss sind weitere längerfristige ambulante und stationäre Maßnahmen sinnvoll.

  • Wesentliche Bausteine in der Entwöhnungsbehandlung und der Nachsorge sind psychotherapeutische und sozialarbeiterische Maßnahmen. Diese sind bereits im qualifizierten Entzug sinnvoll.

  • Ein wesentlicher Bestandteil der therapeutischen Maßnahmen konzentriert sich auf die Rückfallprophylaxe und das Management von Rückfällen. Betroffene sollten frühzeitig zur Inanspruchnahme von Angeboten der Selbsthilfe motiviert werden.