PSYCH up2date 2017; 11(04): 323-335
DOI: 10.1055/s-0042-120578
Affektive Störungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Traumatisierung und Depression

Ulrich Schweiger
,
Valerija Sipos
,
Eva Fassbinder
,
Jan Philipp Klein

Subject Editor: Prof. Dr. Fritz Hohagen, Lübeck
Further Information

Publication History

Publication Date:
17 July 2017 (online)

Traumatisierung oder eine Vorgeschichte von belastenden Erfahrungen in der Kindheit finden sich bei bis zu 60% der Patienten mit einer depressiven Störung. Vermeidungsverhalten und fehlende Emotionsregulation beeinflussen dabei die interpersonellen Beziehungen der Patienten. Eine (traumabezogene) Verhaltenstherapie kann hier mit spezifischen Interventionen helfen.

Kernaussagen
  • Bei mehr als der Hälfte der Patienten mit einer depressiven Störung finden sich belastende Ereignisse in der Kindheit oder eine Traumatisierung.

  • Der Effekt von Traumatisierung und belastenden Kindheitsereignissen auf depressive Störungen wird vermutlich durch psychologische und psychobiologische Mechanismen vermittelt.

  • Krisengenerierendes Verhalten führt zu weiteren belastenden Lebensereignissen.

  • Traumabezogenes oder generalisiertes Vermeidungsverhalten führt zu Verstärkerdefiziten.

  • Defizite in der Emotionsregulation führen zu mangelnder Bewältigung der Gegenwart.

  • Defizite in der sozialen Kognition führen zur Aufrechterhaltung interpersoneller Konflikte.

  • Grübel- und Sorgenprozesse interferieren mit einer angemessenen Handlungsplanung.

  • Moderne verhaltenstherapeutische Methoden setzen entweder direkt an den traumatischen Erinnerungen und den daraus entstehenden Prozessen an oder adressieren die oben genannten vermittelnden Mechanismen.