Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2017; 52(10): 716-725
DOI: 10.1055/s-0042-120989
Fortbildung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der zerebrale Notfall – wichtige anästhesiologische Aspekte

Cerebral Emergency – Important Anesthesiological AspectsMartin Schott, Klaus-Peter Stein, Martin Bauer
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Publication Date:
19 October 2017 (online)

Zusammenfassung

Der zerebrale Notfall ist eine häufige Notfallsituation – und das Gehirn unterscheidet sich durch seine Unersetzbarkeit und minimale Ischämietoleranz von allen anderen Organen. Dieser Beitrag verwendet bewusst den Begriff des zerebralen Notfalls und will sich so von einzelnen Erkrankungsbildern lösen. Der Fokus liegt auf der anästhesiologischen Praxis, aber auch auf dem „Notfall in uns“, den jeder Notfall für das Behandlungsteam bedeuten kann.

Der zerebrale Notfall ist eine häufige Notfallsituation – und das Gehirn unterscheidet sich durch seine Unersetzbarkeit und minimale Ischämietoleranz von allen anderen Organen. Dieser Beitrag verwendet bewusst den Begriff des zerebralen Notfalls und will sich so von einzelnen Erkrankungsbildern lösen. Der Fokus liegt auf der anästhesiologischen Praxis, aber auch auf dem „Notfall in uns“, den jeder Notfall für das Behandlungsteam bedeuten kann.

Abstract

The anesthesiological management of cerebral emergency represents a great challenge for action under pressure and under time pressure and requires smooth interprofessional cooperation. The exact knowledge of the pathophysiological and pharmacological relationships is the basis for rapid identification of therapeutic influences and possible disturbing factors. In the acute situation, paCO2 and MAP are the central determinants for the anesthetist to ensure cerebral perfusion and the resulting cerebral oxygenation. Especially in patients with SHT, a difficult airway must always be expected. Knowledge of the appropriate steps and the necessary equipment must be available. In patients under anticoagulant therapy, written instructions for suspending this therapy are extremely helpful. Interventional thrombectomy is a new emergency situation for the anesthetist. The door-to-needle time has to be kept as short as possible by defined treatment paths and rapid goal-oriented work. Every emergency also creates a stressful reaction in those treating the patient – in a sense, the cerebral emergency “in us”. This has a decisive influence on the perception and action of the individual and the entire team.

Kernaussagen
  • Das anästhesiologische Management des zerebralen Notfalls stellt bei hohem Handlungs- und Zeitdruck eine große Herausforderung dar und bedarf der reibungslosen interprofessionellen Zusammenarbeit.

  • Die exakte Kenntnis der pathophysiologischen und pharmakologischen Zusammenhänge ist die Grundlage, um therapeutische Einfluss- und mögliche Störfaktoren rasch zu erkennen.

  • Für den Anästhesisten stellen in der Akutsituation paCO2 und MAP die zentralen Determinanten dar, um die zerebrale Perfusion und die resultierende zerebrale Oxygenierung sicherzustellen.

  • Insbesondere bei Patienten mit SHT muss stets mit einem schwierigen Atemweg gerechnet werden. Die Kenntnis der entsprechenden Stufenkonzepte und das erforderliche Equipment müssen vorhanden sein.

  • Bei Patienten unter Therapie mit Antikoagulanzien sind schriftlich fixierte Handlungsanweisungen für die Aufhebung dieser Therapie äußerst hilfreich.

  • Die interventionelle Thrombektomie ist für den Anästhesisten eine neue Notfallsituation. Die Door-to-Needle-Time muss durch definierte Behandlungspfade und rasches zielorientiertes Arbeiten so kurz wie möglich gehalten werden.

  • Jeder Notfall erzeugt auch beim Behandelnden eine Stressreaktion – gewissermaßen den zerebralen Notfall „in uns“. Damit geht eine entscheidende Beeinflussung der Wahrnehmung und Handlungsweise des Einzelnen und des gesamten Teams einher.