Gastroenterologie up2date 2017; 13(01): 23-39
DOI: 10.1055/s-0042-121579
Leber/Galle/Pankreas
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mikrobiomassoziierte Lebererkrankungen

Vanessa Stadlbauer-Köllner
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
23. März 2017 (online)

Das menschliche Mikrobiom gilt heute als eigenes Organ, das nicht nur bei gastroenterologischen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Dieser Artikel widmet sich der Interaktion des Mikrobioms mit der Leber – insbesondere bei metabolischen Lebererkrankungen und der Leberzirrhose. Darüber hinaus stellt er vielversprechende Strategien zur Modulation des Mikrobioms vor: Präbiotika, Probiotika, Antibiotika und die fäkale Mikrobiom-Transplantation.

Kernaussagen
  • Veränderungen des Mikrobioms und der Darmpermeabilität sind bei Lebererkrankungen häufig.

  • Patienten mit Leberzirrhose zeigen schwerwiegende Veränderungen der angeborenen Immunität und haben dadurch ein erhöhtes Infektionsrisiko.

  • Modulatoren der Darm-Leber-Achse (Probiotika, Präbiotika, Synbiotika, Antibiotika, Gallensäuren) stellen vielversprechende Therapieansätze bei Lebererkrankungen dar.

  • Die beste Evidenz gibt es für den Einsatz von Probiotika zur Therapie und Prophylaxe der hepatischen Enzephalopathie sowie zur Verbesserung der Leberfunktion bei Leberzirrhose.

  • Probiotika sind ein sicheres Therapieverfahren. Vorsicht ist bei sehr starker Immunsuppression (z. B. unmittelbar nach Knochenmark-/Stammzelltransplantation, nach Herz-/Lungentransplantation) und bei kritisch kranken Patienten (z. B. akute Pankreatitis) geboten.

  • Mikrobiomanalysen sind in der klinischen Routine zwar schon möglich, allerdings ist es aktuell noch schwierig eine therapeutische Konsequenz abzuleiten.