PSYCH up2date 2017; 11(04): 359-374
DOI: 10.1055/s-0042-122885
Spezielle Themen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prinzipien und Methoden der Beschwerdenvalidierung

Ralf Dohrenbusch
,
Ramona Allstadt Torras

Verantwortlicher Herausgeber dieser Rubrik: Prof. Dr. Fritz Hohagen, Lübeck
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
17. Juli 2017 (online)

Klagen über körperliche und psychische Beschwerden sind häufig dann in ihrer Bedeutung eingeschränkt, wenn sie mit Entlastungswünschen der Betroffenen verbunden sind. Insbesondere im Begutachtungskontext bei der rechtlichen Bewertung psychischer Störungen ist es daher erforderlich, gesonderte – insbesondere testpsychologische – Maßnahmen zur Validierung von Beschwerden zu ergreifen.

Kernaussagen

Etwa 30 – 50% der Begutachteten mit leichteren bis mittelgradigen psychischen Störungen machen fraglich valide Angaben zu ihren Beschwerden. Um die Klagen über die Beschwerden etwa im Rahmen eines Gutachtens richtig einschätzen zu können, müssen sie zuverlässig validiert werden.

Die Beschwerdenvalidierung ist ein komplexer psychodiagnostischer Urteils- und Bewertungsprozess, um die Gültigkeit der von einer einzelnen Person beklagten gesundheitlichen Beschwerden oder gezeigten Funktionsbeeinträchtigungen zu sichern. Dies kann z. B. im arbeitsmedizinischen oder gutachterlichen Kontext der Fall sein, um Entlastungswünsche zu begründen.

Zur statistischen Prüfung von Inkonsistenzen sind standardisierte und normierte Testverfahren das Mittel der Wahl. Dabei begründet der Nachweis einer Auffälligkeit in einem Validierungstest keine Annahme generell verfälschter Aussagen. Ein Validierungsbefund ist spezifisch auf die psychische oder soziale Eigenschaft auszurichten, über deren Gültigkeit eine Aussage gemacht werden soll.