Suchttherapie 2022; 23(S 01): S22
DOI: 10.1055/s-0042-1756000
Abstracts
S15: Substanzkonsum und substanzbezogene Störungen: Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurvey

Missbrauch von Nicht-Opioid-Analgetika in Deutschland: Prävalenz und Assoziationen unter selbstmedizierenden Gebrauchern

C Rauschert
1   IFT Institut für Therapieforschung, München
,
N Seitz
1   IFT Institut für Therapieforschung, München
,
S Olderbak
1   IFT Institut für Therapieforschung, München
,
O Pogarell
2   Ludwig-Maximilians-Universität München, München
,
T Dreischulte
2   Ludwig-Maximilians-Universität München, München
,
L Kraus
1   IFT Institut für Therapieforschung, München
› Author Affiliations
 

Einleitung Der Missbrauch von Nicht-Opioid-Analgetika (NOA) ist mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen verbunden. Aufgrund uneinheitlicher Definitionen von NOA-Missbrauch sind Prävalenzschätzungen für die deutsche Bevölkerung jedoch unklar. Ziel dieser Studie war es, die 12-Monats-Prävalenz des NOA-Missbrauchs unter Selbstmedizierenden in der deutschen Allgemeinbevölkerung zu schätzen und Risikofaktoren zu identifizieren.

Material und Methodik Datenbasis bildet der Epidemiologischen Suchtsurvey aus dem Jahr 2015, eine national repräsentative Stichprobe mit 9.204 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Eine Klassifizierung des NOA-Missbrauchs erfolgte anhand von Selbstauskünften gemäß der Definition der ICD-10-GM-Diagnose F55.2 „Schädlicher Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen“. Um Zusammenhänge zwischen NOA-Missbrauch und soziodemografischen, verhaltens- und gesundheitsbezogenen Variablen zu untersuchen, wurde eine multiple logistische Regressionsanalyse durchgeführt.

Ergebnisse Die gewichtete 12-Monats-Prävalenz des NOA-Missbrauchs betrug 14,6 % (95 %-CI [13,2 – 16,0]) unter selbstmedizierenden Gebrauchern. Eine Hochrechnung des Anteils der Personen mit NOA-Missbrauch auf die deutsche Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren ergibt 3.243.396 Personen oder 6,4 % (95%-CI [5,7- 7,1]). Unerklärliche körperliche Schmerzen, Untergewicht, Depressionen, riskanter Alkoholkonsum, tägliches Rauchen, illegaler Drogenkonsum und häufiger Gebrauch von NOA (ein- oder mehrmals pro Woche und täglicher Konsum) waren mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für NOA-Missbrauch assoziiert. Cannabiskonsum war mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für NOA-Missbrauch assoziiert.

Zusammenfassung Der Missbrauch von NOA ist in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Selbstmedikation mit NOA sollten Gesundheitsdienstleister für potenzielle Risikofaktoren eines Missbrauchs sensibilisiert werden, um dieses Problem besser erkennen und verhindern zu können.



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Article published online:
30 August 2022

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