Suchttherapie 2022; 23(S 01): S25
DOI: 10.1055/s-0042-1756009
Abstracts
S17: E-Health und soziale Arbeit

Schach-basiertes Kognitionstraining als Add-on-Intervention gegen Alkoholgebrauchsstörung für eine Verbesserung der inhibitorischen Kontrolle, des Arbeitsgedächtnisses und des Therapieerfolgs mitsamt einer Untersuchung der zugrundeliegenden neurobiologischen Mechanismen

A Kinzel
1   Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
,
K Matthiae
1   Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
,
S Gerhardt
1   Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
,
H Tan
1   Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
,
T Weber
2   MEDIAN Klinik Wilhelmsheim, Oppenweiler
,
S Vollstädt-Klein
1   Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
› Author Affiliations
 

Einleitung Die schädliche Wirkung durch Alkoholkonsum ist verantwortlich für 5,9% aller Tode weltweit (World Health Organization, https://who.int). Die WHO betrachtet Alkoholkonsum weltweit als einer der führenden Gründe für frühzeitiges Versterben. Bei Personen zwischen 15 und 49 Jahren ist es die häufigste Ursache für einen frühzeitigen Tod. Des Weiteren steht Alkoholkonsum in Zusammenhang mit Krankheiten wie beispielsweise Krebs, kardiovaskulären Krankheiten, Leberzirrhose und kognitiven Beeinträchtigungen. Die kognitiven Beeinträchtigungen wiederum können einer angestrebten Abstinenz im Wege stehen und es kann zu Rückfällen kommen. Durch kognitives Training (cognitive remediation therapy, CRT) sollen bei dem Projekt „Untersuchung neurobiologischer Mechanismen von Schach als Add-On-Therapie gegen Alkoholgebrauchsstörung” (chess-based cognitive remediation therapy, CB-CRT) am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim die kognitiven Fähigkeiten gestärkt werden und dadurch der Therapieerfolg verbessert werden. Die CRT wird mithilfe eines schachbasierten Kognitions-Trainings („Schach als Werkzeug“) durchgeführt. Zusätzlich werden die neurobiopsychologischen Mechanismen für die potentielle Wirksamkeit von CRT in der Studie untersucht werden, die Aufschluss über Rückfälle, Abstinenz und Risikofaktoren ermöglichen sollen.

Material und Methodik Hierfür werden unter anderem die inhibitorische Kontrolle durch die Stop-Signal-Aufgabe, das Arbeitsgedächtnis durch die N-Back Aufgabe und die neuronale Korrelation durch eine Bilderbewertung im fMRT untersucht. Die hierfür nötigen Probanden werden in Kooperation an der Median Klinik Wilhelmsheim rekrutiert. Um eine ausreichende Power für die Auswertung zu gewährleisten, sind insgesamt 76 Probanden für die Untersuchung geplant. Für die fMRT-Untersuchung vor und nach dem Zyklus mit oder ohne Schachtraining werden die Probanden an das ZI Mannheim geladen. Das Schachtraining wird an der Median Klinik Wilhelmsheim angeboten und durchgeführt.

Ergebnisse In einer Pilotstudie von Montero und Vollstädt-Klein (nicht publiziert) wurden bei Patienten mit Suchtstörung Verbesserungen im verschiedenen kognitiven Domänen durch neuropsychologische Fragebögen nachgewiesen.

Zusammenfassung CB-CRT als zusätzliche Therapieform könnte bei validiertem verbessertem therapeutischen Erfolg in der Praxis (z.B. Rehabilitationskliniken) einfach umsetzbar und kostengünstig angeboten und damit ein wichtiger Bestandteil der Suchttherapie werden.



Publication History

Article published online:
30 August 2022

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