Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2017; 12(05): 491-518
DOI: 10.1055/s-0043-100293
Grundlagen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Biomechanik des Sprunggelenks

Steffi S. I. Falk, Thomas Mittlmeier
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Publication Date:
27 September 2017 (online)

Biomechanisch ist der Unterschenkel mit seiner Einheit aus Tibia und Fibula im oberen bzw. unteren Sprunggelenk an die Bewegung des Rückfußes gekoppelt. Hier erfolgt die Lastübertragung auf den Fuß. Der Tibia als dem deutlich kräftigeren Knochen kommt die Funktion als Hauptkraftträger zu, und sie bildet den größten Teil der Kontaktfläche mit dem lastaufnehmenden Talus. Der Talus ist für seine Aufgabe stabil in die Malleolengabel eingespannt. Dieser wichtige Mechanismus ist gerade bei Bandverletzungen und Sprunggelenksfrakturen gefährdet.

Kernaussagen
  • Das Sprunggelenk ist essenziell für alle Lauf- und Sprungbewegungen und gleichzeitig durch das dynamisch einwirkende Körpergewicht auch besonders gefährdet.

  • Sprunggelenksverletzungen sind sehr häufig, denn trotz der Tatsache, dass 75% dieser Verletzungen rein ligamentär sind, sind Sprunggelenksfrakturen die dritthäufigsten Frakturen des Menschen.

  • Biomechanisch stellen das obere und untere Sprunggelenk zusammen mit dem Chopart-Gelenk eine Bewegungskette dar, sodass eine isolierte Bewegung in nur einem dieser Gelenke nahezu unmöglich ist.

  • Der mediale wie laterale Kollateralbandkomplex zeigt einen divergierenden Faserverlauf, sodass in allen Gelenkstellungen eine Anspannung einzelner Anteile garantiert und das Sprunggelenk stabilisiert wird.

  • Die gesamte Anatomie des Fußes stellte sich im Laufe der Evolution und der Entwicklung des aufrechten Gangs von der Greiffunktion auf die nun wichtigere Stützfunktion um.

  • Die Stabilität im Stand wird allein durch kongruente Gelenkflächen gewährleistet. Bänder und Muskeln stabilisieren hingegen bei Translations- und Torsionskräften.

  • Primäre Arthrosen des Sprunggelenks sind selten – der Hauptanteil ist traumatisch bedingt.

  • Als eine der ersten Bewegungsaufgaben, die bei einer Arthrose behindert oder vermieden wird, zeigt sich das Treppensteigen, wobei das Treppabgehen durch die exzentrische Muskelanspannung vom Patienten als unangenehmer als das Treppenhinaufsteigen empfunden wird.