Zeitschrift für Sexualforschung 2017; 30(01): 35-57
DOI: 10.1055/s-0043-101471
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vom Internetsex zum Robotersex: Forschungsstand und Herausforderungen für die Sexualwissenschaft

Nicola Döring
a  Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft, Technische Universität Ilmenau
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Publication Date:
22 March 2017 (online)

Übersicht

Sexualbezogene Internetnutzung (Internetsex) ist heute alltäglich und gut erforscht. Am Übergang vom Internet- zum Roboter-Zeitalter stellt sich nun die Frage nach der sexualbezogenen Roboternutzung (Robotersex). Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass Robotersex heute schon Realität ist und in der internationalen Fachliteratur seit rund zehn Jahren diskutiert wird. Anhand unterschiedlicher Quellen (Fachliteratur, Presseberichterstattung, Produktwerbung, Erfahrungsberichte der Kunden) wird rekonstruiert, was wir bislang über Robotersex und dessen negative wie positive Folgen wissen. Der Beitrag plädiert dafür, dass sich die Sexualwissenschaft dem Gegenstand Robotersex zuwendet und die technischen Artefakte, die Nutzenden und die Nutzungsweisen verständnisorientiert erforscht. Ethische Verantwortung im Digitalzeitalter lässt sich nicht durch „kritische Distanz“ zur technischen Entwicklung wahrnehmen. Stattdessen ist heute, im frühen Stadium der Technikgenese, aktive Mitgestaltung vonseiten sexualwissenschaftlicher Fachleute gefragt, um möglichst konstruktive Umgangsweisen mit Robotersex zu finden, sei es im Privatleben oder auch im Zuge sexueller Bildung und Therapie.