ZWR 2017; 126(03): 69
DOI: 10.1055/s-0043-101714
Editorial
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Qual der Wahl

Cornelia Gins
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Publication Date:
24 March 2017 (online)

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Worum geht es in einem ärztlichen Beruf? Selbstverständlichen darum die Beschwerden des Patienten nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln im besten Fall zu heilen. Doch viele Mediziner hätten nach einer Untersuchung veröffentlicht im British Medical Journal (S. e6572, Bd 345) falsche Ziele vor Augen. Sie würden nicht genug ihre Patienten nach ihren Wünschen und Hoffnungen im Hinblick auf die bevorstehende Behandlung befragen. Es würden inzwischen zu viele zusätzliche Diagnose- und Behandlungstechniken zur Verfügung stehen, dass es schier unmöglich sei, alles dem Patienten erklärbar besser aufklärbar zu machen. Daher würden oft die Therapieentscheidungen von den Medizinern getroffen, ohne die Patienten richtig mit einzubeziehen. Für die Akzeptanz einer Behandlung wäre das aber von großer Bedeutung. Studien hätten gezeigt, dass sich Patienten für eine ganz andere Behandlung entschieden hätten, wenn sie besser über Risiken und Nutzen aufgeklärt worden wären.

Die zitierte Studie bezieht sich auf die Allgemeinmedizin. Doch sind durchaus Parallelen auch zur Zahnmedizin zu sehen. Beispielsweise kann ein Vergleich zu Behandlungstechniken gezogen werden. Schon die Versorgung nur eines einzelnen Zahnes kann inzwischen auf so vielfältige Art und Weise erfolgen, dass die Aufklärung auch im Hinblick auf Risiken und Nutzen, den Zeitrahmen, den uns die Krankenkassen einräumen, bei weitem überschreitet. Von komplexen Behandlungsfällen mal ganz zu schweigen. Tendenz steigend. Viele von Ihnen werden sich die Zeit nehmen, und die IDS in Köln besuchen. Erwartungsgemäß werden wieder zahlreiche Neuheiten und Optimierungen bereits bestehender Versorgungsmöglichkeiten vorgestellt. Das erwarten Patienten und wir ja auch, denn Fortschritt gehört zu einer erfolgreichen Medizin. Einfacher wird die Entscheidungsfindung für die richtige Behandlungsstrategie dadurch allerdings nicht.

Cornelia Gins