Orthopädie und Unfallchirurgie up2date 2017; 12(03): 232-237
DOI: 10.1055/s-0043-101745
SOP / Arbeitsablauf
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hüftimpingement

A. Hartmann
,
J. Goronzy
,
K. P. Günther
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Publication Date:
29 May 2017 (online)

Einleitung

Ende der 1990er-Jahre als Konzept von der Schweizer Arbeitsgruppe um Reinhold Ganz entwickelt [2], beschreibt das femoroazetabuläre Impingement (FAI) Hüftschmerzen als Folge eines knöchernen Anstoßphänomens zwischen Femur und Becken im Bereich des Hüftgelenks. Das Krankheitsbild gilt inzwischen als eine der häufigsten Ursachen von Hüftschmerzen jüngerer Erwachsener und wesentliche präarthrotische Deformität.

Folgende Formen – die auch in Kombination auftreten können – werden unterschieden:

  • Cam-Impingement: Knöcherne Wulstbildung am ventralen bis lateralen femoralen Kopf-Hals-Übergang mit daraus resultierendem Verlust der Sphärizität des Hüftkopfs. Korrespondierend findet sich am anterolateralen Azetabulum oft bereits früh ein prognostisch ungünstiger, durch die Scherwirkung der Asphärizität entstandener Knorpelschaden, teilweise in Kombination mit einer Schädigung des Labrum acetabulare.

  • Pincer-Impingement: Azetabuläre Über-Überdachung entweder lokalisiert (häufig anterosuperior) oder global (Coxa profunda bzw. Protrusio coxae). Eine Sonderform stellt die Retroversion des gesamten Azetabulums dar. Pincer-Deformitäten führen oft früh zu Labrumschäden (Fissuren und Ganglien) und dann häufig zu Knochenapposition am Übergang vom Pfannenrand zum Labrum.

  • Extraartikuläres Impingement: Vom Gelenk unabhängig kann ein mechanischer Konflikt auch durch Formstörungen des proximalen Femurs oder/und der pfannennahen Beckenabschnitte ausgelöst werden. Dazu gehören z. B. ektope Ossifikationen nach Trauma (z. B. Abriss der Spina iliaca anterior inferior), Osteochondrome des proximalen Femurs, das „subspinale Impingement“ (tiefe und prominente Spina iliaca anterior inferior) sowie ein Hochstand des Trochanter major (z. B. nach vorgängigem Morbus Perthes) und die vermehrte femorale Antetorsion bzw. Retrotorsion.