PSYCH up2date 2017; 11(05): 409-424
DOI: 10.1055/s-0043-103718
Neurotische, somatoforme und Belastungsstörungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zwangsstörungen im Kindes- und Jugendalter

Susanne Walitza, Christa Rütter, Veronika Brezinka
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Publication Date:
13 September 2017 (online)

Zwangsstörungen sind für viele Kinder und Jugendliche sehr beeinträchtigende Störungen. Zwangshandlungen und Zwangsgedanken treten häufig gemeinsam auf. Mangelnde Einsichtsfähigkeit, komorbide Störungen und die Interaktionen in der Familie müssen bei der Diagnostik und Behandlung besonders berücksichtigt werden.

Kernaussagen

Zwangsstörungen sind schon im Kindes- und Jugendalter häufig auftretende und sehr beeinträchtigende Erkrankungen. Die Erkrankung wird häufig lange verheimlicht oder bei Kindern nicht als solche erkannt. Wie bei nahezu allen psychischen Erkrankungen liegen häufig andere psychische Störungen komorbid vor. Hervorzuheben sind die Tic-Störungen, die – wenn sie gemeinsam mit Zwängen auftreten – eine besondere Entität zu bilden scheinen. Das Vorliegen oder Fehlen von Einsicht hat eine besondere diagnostische und therapeutische Relevanz. Die erste Wahl der Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sollte eine Kombination oder alleinige Psychopharmakotherapie indiziert sein, sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer im Kindes- und Jugendalter die erste Wahl. Der Einbezug der Eltern ist vor allem bei Kindern relevant. Je früher die Behandlung beginnt, umso besser ist die Prognose.