PSYCH up2date 2018; 12(01): 39-54
DOI: 10.1055/s-0043-106080
Affektive Störungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Interpersonelle Psychotherapie bei affektiven Störungen

Anne von Lucadou
,
Elisabeth Schramm
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Publication History

Publication Date:
08 January 2018 (online)

Die Bedeutung sozialer Beziehungen für die psychische Gesundheit und die Bewältigung von Belastungen ist unumstritten. Darauf beruht das Grundprinzip der Interpersonellen Psychotherapie (IPT). Die IPT gehört zu den am besten untersuchten, evidenzbasierten Methoden in der Depressionsbehandlung. Das supportive, fokussiert-pragmatische und emotionsbezogene Vorgehen stellt eine gleich wirksame Alternative wie die Vorgehensweise bei der Kognitiven Verhaltenstherapie dar.

Kernaussagen

Die Interpersonelle Psychotherapie nach Klerman und Weissman (IPT) gehört zu den wirksamsten psychologischen Depressionstherapien. Ausgangspunkt der IPT ist die Annahme, dass depressive Episoden stets in einem zwischenmenschlichen und psychosozialen Kontext auftreten. Orientiert am medizinischen Krankheitsmodell kann die Therapie mit oder ohne begleitende Medikation durchgeführt werden. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die interpersonellen Probleme, die zur Entstehung der depressiven Episode beigetragen haben. Die Festlegung des Behandlungsfokus orientiert sich an 4 bzw. 5 Bereichen, die empirisch am häufigsten in Verbindung mit Depressionen gefunden wurden: komplizierte Trauer, zwischenmenschliche Konflikte, Rollenwechsel, soziale Defizite, arbeitsbezogener Stress. Die therapeutische Arbeit findet im „Hier und Jetzt“ statt und berücksichtigt insbesondere die emotionale Verarbeitung der belastenden Beziehungsereignisse. Das therapeutische Vorgehen ist auf Inhaltsebene strukturiert und fokussiert, auf Beziehungsebene stark unterstützend und ermutigend.