PSYCH up2date 2018; 12(04): 307-326
DOI: 10.1055/s-0043-110949
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Allgemeine Psychotherapie bei paraphiler Störung – ein Behandlungsvorschlag

Fritjof von Franqué
,
Timo O. Nieder
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Publication History

Publication Date:
12 July 2018 (online)

Paraphile Störungen umfassen intensive und anhaltende sexuelle Interessen, die zu Leidensdruck, Beeinträchtigung oder Fremdgefährdung führen und sich auf ungewöhnliche Gegenstände und Aktivitäten oder auf phänotypisch abweichende, kindliche oder nicht einwilligende Personen beziehen. Inwieweit sich paraphile Interessen im Laufe des Lebens verändern (lassen), ist bislang ungeklärt. Wichtig für die Sexualtherapie ist die Fähigkeit von Psychotherapeutinnen und -therapeuten, sexuelle Inhalte thematisieren, flexibel den Prozess gestalten und risikoreiche Situationen einschätzen zu können.

Kernaussagen

Unter paraphilen Störungen versteht man intensive und anhaltende sexuelle Interessen, die zu Leidensdruck, Beeinträchtigung oder Fremdgefährdung führen und sich auf ungewöhnliche Gegenstände und Aktivitäten oder auf phänotypisch abweichende, kindliche oder nicht einwilligende Personen beziehen. Paraphile Interessen alleine reichen für die Stellung der Diagnose nicht aus.

Psychotherapeutische Ansätze beruhen größtenteils auf klinischen Erfahrungen. Der hier vorgestellte Therapievorschlag umfasst den Aufbau von Therapiemotivation, die Klärung der Änderungsmotivation, die Prüfung der Realisierbarkeit und die Handlungsumsetzung. Schwierigkeiten in der Selbstregulation, problembegünstigende Einstellungen und Kognitionen, Beziehungsprobleme und Beeinträchtigungen der Sexualität sowie die Ziele der Hilfe suchenden Menschen bestimmen den Schwerpunkt der Therapie. Zentrale Voraussetzung hierfür ist ein Therapierahmen mit ausreichend Maßnahmen zum Schutze evtl. gefährdeter Personen.

Für eine entsprechende Sexualtherapie ist von therapeutischer Seite her notwendig, sexuelle Inhalte angemessen zu thematisieren, zwischen den verschiedenen Therapiephasen flexibel zu wechseln und risikoreiche Situationen adäquat einschätzen und ggf. bewältigen zu können. Da diese Kompetenzen selten Teil gängiger Psychotherapie-Curricula sind, ist eine fachkundige Supervision, besser noch eine entsprechende Weiterbildung für die Behandlung paraphiler Störungen empfehlenswert.