Z Orthop Unfall 2017; 155(05): 587-591
DOI: 10.1055/s-0043-111594
Fallbericht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Venöse Paravasate nach Augmentation von Pedikelschrauben – ein unterschätztes Risiko

Venous Paravasation After Augmentation of Pedicle Screws – An Underestimated RiskAxel Prokop1, Manuela Sagerer1, Wolfgang Rupp2, Marc Chmielnicki1
  • 1Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Kliniken Sindelfingen, Klinikverbund Südwest
  • 2Medizinische Klinik II – Kardiologie, Kliniken Sindelfingen, Klinikverbund Südwest
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Publication History

Publication Date:
30 June 2017 (eFirst)

Zusammenfassung

Mit zementaugmentierten Pedikelschrauben kann die Festigkeit von Fixateuren bei instabilen Wirbelfrakturen im Alter erhöht werden. Die Fixateure können minimalinvasiv und schnell eingebracht werden und verringern das Operationsrisiko. Wir haben von März 2012 bis Juli 2014 40 Patienten mit instabilen Wirbelfrakturen mit einem perkutanen augmentierten Fixateur versorgt. Das Durchschnittsalter betrug 77,5 Jahre. Kein Patient verstarb im Beobachtungszeitraum von 6 Monaten. Neurologische Ausfälle traten nicht auf. Die Schmerzen konnten von im Mittel 8,5 Punkten auf der VAS auf 4,1 Punkte postoperativ gesenkt werden. Durch die Operation konnte der Cobb-Winkel im Mittel um 4,1° verbessert werden. Nach 6 Monaten kam es nur zu einer Sinterung von 1° bis max. 4°, im Mittel 2,6°. Häufig kam es aber zu venösen Paravasaten durch Zementabflüsse aus den augmentierten Wirbeln bis hin zur Lungenembolie. Meist bleiben diese Embolien asymptomatisch. Wir berichten über einen Patienten, der unmittelbar nach der Zementapplikation aufgrund von Lungenembolien reanimationspflichtig wurde. Der Patient überlebte aufgrund der sofort durchgeführten intensivmedizinischen Maßnahmen. Das Risiko ist in der Literatur wenig bekannt und bislang unterschätzt trotz steigender Operationszahlen mit augmentierten Fixateuren. Eine Reduzierung des Risikos ist durch langsame Zementinjektion, kleinere Zementapplikatoren und kurzfristiger Überdruckbeatmung mit PEEP (positive expiratory pressure) möglich.

Summary

Cement-augmented pedicle screws can increase the stability of fixators for unstable vertebral fractures in the elderly. Fixators can be inserted quickly and with minimally invasive techniques, reducing surgical risks. From March 2012 until July 2014, we treated 40 patients with percutaneous augmented fixators for unstable vertebral fractures. Average age was 77.5 years. During the six month observation period, no patients died. There were no neurological deficits. On VAS, average pain decreased from 8.5 to 4.1 points postoperatively. The average Cobb angle of 4.1° was improved after surgery. After 6 months, bony consolidation yielded angles of 1 to 4°, average 2.6°. There was often venous extravasation of cement leaking from the augmented vertebrae, even extending to pulmonary embolism. The emboli were usually asymptomatic. We report a case where the patient required resuscitation immediately after cement application because of pulmonary emboli. The patient survived because of the immediately implemented critical care measures. Little has been published about this risk, which is underestimated despite increasing numbers of augmented fixator operations. The risk can be reduced with slower cement injection, smaller cement applicators, and short term positive pressure ventilation with PEEP.