PSYCH up2date 2017; 11(05): 445-462
DOI: 10.1055/s-0043-112228
Spezielle Themen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Suizid und Suizidprävention im psychiatrischen Krankenhaus

Barbara Schneider, Manfred Wolfersdorf, Friedrich M. Wurst
Further Information

Publication History

Publication Date:
13 September 2017 (online)

Auch unter optimalen Bedingungen gibt es keine absolut sichere Suizidprävention. Dennoch gibt es Standards, die im psychiatrischen Krankenhaus hilfreich sind. Dazu gehören die Herstellung einer hilfreichen und fürsorglichen Beziehung unter der Mitarbeit des Patienten, die Diagnostik und adäquate psychotherapeutische und medikamentöse Therapie der Grunderkrankung sowie die Regelung von engmaschiger Betreuung, Ausgang und Besuch.

Kernaussagen

Suizide psychisch kranker Menschen auch unter stationären psychiatrischen Behandlungs- und Schutzbedingungen sind seit Langem bekannt. Sie wurden in der deutschen Literatur seit dem 19. Jahrhundert regelmäßig beschrieben und sind Forschungsthema seit der Nachkriegszeit – meist im Zusammenhang mit Veränderungen der Versorgungsstrukturen. Als Hauptrisikogruppen gelten in Deutschland und auch international junge schizophren kranke Männer, die sich mit Blick auf einen möglichen Krankheitsverlauf suizidieren, sowie schwer depressiv kranke Menschen mit depressiver Wahnsymptomatik, Hoffnungslosigkeit und altruistischen Ideen, die Welt/
Familie/Kinder seien ohne sie besser gestellt.

Hilfreiche suizidpräventive Standards umfassen die Herstellung einer hilfreichen und fürsorglichen Beziehung, die Diagnostik von psychischer Erkrankung und psychosozialer Krise, von Formen der Suizidalität und vorliegendem Handlungsdruck, die Etablierung sichernder Fürsorgemaßnahmen einschließlich der Regelung von engmaschiger Betreuung, Ausgang und Besuch sowie eine konsequente psychopharmakologische und psychotherapeutische Behandlung von Beginn an – unter Berücksichtigung der Grunderkrankung.

Eine absolut sichere Suizidprävention gibt es auch unter optimalen fürsorglichen und therapeutisch-pflegerischen Rahmenbedingungen nicht. Suizidprävention kann immer nur ein Bemühen aller an der Behandlung des Patienten beteiligten Berufsgruppen sein und ist auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen.