Gastroenterologie up2date 2017; 13(04): 383-394
DOI: 10.1055/s-0043-113617
Darm/Anorektum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schwangerschaft und Stillen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Niels Teich
,
Andreas Stallmach
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Publication Date:
08 December 2017 (online)

Die Erstmanifestation chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) tritt häufig im jungen Erwachsenenalter auf – einem Lebensabschnitt, der auch mit dem Wunsch nach Kindern verbunden ist. Dieser Beitrag bietet Argumentationshilfen für das Gespräch mit CED-Erkrankten mit Kinderwunsch, insbesondere für häufig gestellte Fragen zur medikamentösen Therapie. Der Schwerpunkt liegt auf Aspekten, deren Bewertung sich in den letzten Jahren verändert hat.

Kernaussagen
  • Das Bekanntwerden einer Schwangerschaft bei einer Patientin mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – bzw. bei der Partnerin eines CED-Patienten – sollte von den beteiligten Ärzten positiv reflektiert werden. Denn sowohl das krankheitsspezifische als auch das therapieassoziierte Schwangerschaftsrisiko sind gering.

  • Ziel der Betreuung ist eine ggf. medikamentös aufrechterhaltene stabile Remission oder eine niedrige Krankheitsaktivität vor und während der Schwangerschaft.

  • Aminosalizylate und niedrigdosierte Glukokortikoide (Prednison < 20 mg/d) sind in der Schwangerschaft sicher. Sie können auch bei einer ggf. erforderlichen Therapieintensivierung in der Schwangerschaft eingesetzt werden.

  • Tritt eine Schwangerschaft ungeplant unter einer Therapie mit Azathioprin ein, sollte die Therapie in unveränderter Dosis während der gesamten Schwangerschaft weitergeführt werden.

  • Methotrexat soll bei prämenopausalen Frauen vermieden werden. Bei Konzeption unter Methotrexat ist ein Schwangerschaftsabbruch jedoch kein Dogma mehr.

  • TNF-Blocker müssen bei Schwangerschaftswunsch nicht abgesetzt werden; die Weiterführung der Therapie in der Schwangerschaft (und auch der Stillzeit) ist möglich.

  • Die medikamentöse Therapie von Männern mit CED kann mit Ausnahme von Sulfasalazin (quantitative und qualitative Einschränkung der Spermienproduktion) unabhängig von einem Kinderwunsch erfolgen.