Pädiatrie up2date 2018; 13(03): 231-245
DOI: 10.1055/s-0043-115314
Kardiologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Arterielle Hypertonie – Risiko für Kindheit und Erwachsenenalter

Markus Khalil
,
Dieter Haffner
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Publication Date:
04 September 2018 (online)

Bluthochdruck gilt als wichtiger Risikofaktor für das Auftreten von kardiovaskulären Folgeerkrankungen. Die Prävalenz der arteriellen Hypertonie im Kindes- und Jugendalter ist zwar niedrig – es bestehen jedoch zunehmend Hinweise darauf, dass geringfügig erhöhte Blutdruckwerte im Kindesalter häufiger als bisher gedacht sind. Bluthochdruck ist im Kindes- und Jugendalter häufig asymptomatisch, daher wird er meist leicht und lange übersehen.

Kernaussagen
  • Ein hochnormaler Blutdruck im Kindes- und Jugendalter kann sich im Verlauf zur arteriellen Hypertonie entwickeln.

  • Im Kindes- und Jugendalter liegen keine Schwellenwerte für die systolischen und diastolischen Blutdruckwerte vor. Man orientiert sich daher an alters-, geschlechts- und größenabhängigen Referenzwerten.

  • Im Säuglings- und Kleinkindalter überwiegen eindeutig die sekundären Formen der arteriellen Hypertonie.

  • Renale Erkrankungen sind mit einem Anteil von über 80% für einen Großteil der sekundären arteriellen Hypertonie verantwortlich.

  • Die Aortenisthmusstenose ist die häufigste nicht renale Ursache der sekundären Hypertonie.

  • Bei der essenziellen Hypertonie handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose. Auch wenn eine kindliche Adipositas und eine positive Familienanamnese vorliegen, müssen organische Ursachen dennoch ausgeschlossen werden.

  • Im Kindesalter überwiegt nach wie vor die sekundäre Hypertonie: Je jünger (und schlanker) der Patient ist, desto unwahrscheinlicher ist das Vorliegen eines primären Hypertonus.

  • Eine sekundäre Hypertension ist im Kindesalter häufiger als eine primäre. Eine sekundäre Hypertension sollte vermutet werden bei jüngeren Patienten, die einen sehr hohen Blutdruck (> 99. Perzentile) haben oder sekundäre Komplikationen wie eine hypertensive Enzephalopathie oder Herzinsuffizienz aufweisen, oder bei Patienten, bei denen eine Hypertension schwierig zu behandeln ist.

  • Je jünger der Patient und je höher der Blutdruck, umso wahrscheinlicher das Vorliegen einer sekundären Hypertension. Bei jüngeren Kindern mit hohen Blutdruckwerten oder kompliziertem Verlauf sollte daher eine umfangreichere Diagnostik erfolgen als bei älteren Kindern und Jugendlichen mit evtl. nur mildem Hypertonus.